Archiv 2013

First Youth Sustainability Summit in Berlin


Boris und Timothy, zwei Teilnehmer aus Harlem, berichten im Interview mit Björn Technau begeistert von ihren Erfahrungen auf dem 1. Weltjugend-Nachhaltigkeitsgipfel vom 10. bis zum 20. Mai in Berlin.

Als ich Timothy und Boris zum Interview treffe, steht ihnen die Begeisterung immer noch ins Gesicht geschrieben: Mit neuen Ideen und Erfahrungen sind sie nach New York zurückgekehrt.

Sprachliche Herausforderungen und urbane Landwirtschaft

„Eigentlich hatte ich gedacht, ich würde da drüben viel mehr Deutsch sprechen“, erzählt Timothy. „Die Deutschen haben dann aber fast immer auf Englisch geantwortet, wenn ich sie auf Deutsch ansprach.“ Und auf dem international besetzten Nachhaltigkeitsgipfel wurde natürlich ebenfalls hauptsächlich auf Englisch kommuniziert. „Wir hatten einen Knopf im Ohr und konnten uns alle Vorträge live übersetzen lassen. Ich bin mir allerdings nicht so sicher, ob das auch immer akkurat war – zumindest hat meine deutsche Sitznachbarin so einiges verbessern müssen“, erinnert sich Timothy. Alles war perfekt organisiert – fast schon zu perfekt, findet Boris: „Ich war geradezu schockiert darüber, wie gut alles organisiert war.“ Bereits im Vorfeld waren die jugendlichen Teilnehmer aus aller Welt in Gruppen aufgeteilt und zu verschiedenen Ausflugszielen in Berlin geschickt worden. Während Timothy mit seiner Gruppe die Museumsinsel besuchte, ging es für Boris in den Prinzessinnengarten, eine soziale und ökologische Einrichtung rund um urbane Landwirtschaft in Berlin-Kreuzberg.


„Den Besuchern wird dort gezeigt, wie der Anbau von Lebensmitteln eigentlich funktioniert. Viele kennen Gemüse ja nur aus dem Supermarkt und wissen gar nicht, wie es entsteht. Die Arbeit dort und die ganzen Abläufe waren einfach faszinierend. Im Prinzessinnengarten geht es darüber hinaus um nachhaltigen Konsum, verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, zukunftsfähige Nachbarschafts- und Stadtentwicklung.“ Da der Tour Guide zu spät kam, hatte Boris die Gelegenheit, seine Gruppenmitglieder aus Italien, China und der Türkei so richtig kennenzulernen. „Da wurde endlich das Eis gebrochen! Es war unglaublich spannend, all die verschiedenen Perspektiven zu erleben”, erzählt Boris. Timothy besuchte mit seiner Gruppe außerdem noch die Berliner Stadtreinigung. „Obwohl deren neue Anlage gigantisch groß war, arbeiteten da gerade mal drei Leute. Das war total unheimlich, da alles wie tot wirkte – bis auf uns natürlich!”

„Das Coolste, was ich je gemacht habe!“

Auf dem eigentlichen Gipfel kamen dann 160 Jugendliche aus insgesamt 39 Ländern zusammen, die sich alle mit unterschiedlichen Projekten erfolgreich beworben hatten. In Berlin trafen sie auf Umweltspezialisten und Politiker, konnten ihre Ideen vorstellen und sich von neuen inspirieren lassen. „Für die Präsentation ihrer Projekte hatte jede Gruppe eigentlich nur fünf Minuten Zeit. Die Teilnehmer waren aber so begeistert von unserem Promerio-Projekt, dass sie uns 15 Minuten reden ließen und anschließend mit Fragen löcherten“, erzählt Timothy glücklich. Das beeindruckendste Erlebnis des Nachhaltigkeitsgipfels war für ihn jedoch ein anderes: „Wir errichteten einen Tree of Hope direkt vor dem Brandenburger Tor – das Coolste, was ich je gemacht habe! Der Baum bestand komplett aus recyclebarem Material. Wir luden Passanten dazu ein, ihre Umweltwünsche auf Blätter zu schreiben und diese an den Ästen aufzuhängen. Touristen und echte Berliner, junge und alte Menschen – alle kamen und machten mit. Auf einem riesigen Tuch hinterließen sie Hand- und Fußabdrücke und schrieben ihre Umweltbotschaften auf die Baumblätter.


Das Schöne war, dass die Botschaften ganz einfach gehalten waren, zum Beispiel schrieben die Leute „Schützt die Umwelt” oder „Rettet den Planeten für unsere Kinder”. Der Baum war am Ende voll mit solchen Botschaften. Es war berührend zu sehen, dass die Botschaften von Menschen aus der ganzen Welt kamen.” Boris und Timothy inspirierte diese Idee so sehr, dass sie sie nun auch nach New York holen wollen: „Ich fände es cool, einen Tree of Hope auf dem Times Square zu errichten!“ Sie haben sich mit den Veranstaltern des Gipfels zusammengesetzt und über Möglichkeiten gesprochen, den ersten youthinkgreen-Chapter der USA in New York einzurichten. „Wir würden da gerne eine richtige Partnerschaft aufbauen“, erklärt Timothy.

Ein nicht ganz einfacher Konsens

Am Ende des Gipfels wurden die vielen unterschiedlichen Ideen der jugendlichen Teilnehmer in einen offiziellen UN-Antrag gegossen. „160 Jugendliche aus der ganzen Welt, aus 39 verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Prioritäten, Hintergründen, Kulturen und Ansichten, kamen zusammen, um ein gemeinsames Dokument zu erstellen – das war echt extrem cool“, berichtet Boris. „Wir forderten für alle beteiligten Länder umweltfreundliche Infrastrukturen, die allen Menschen zugänglich sein sollen, nicht nur den Reichen. Die Vereinten Nationen stellten Lehrmaterialien zu Themen wie Erderwärmung zur Verfügung. Solche Themen sollten in den Schulen zu Pflichtfächern gemacht werden. „Wir hatten gerade mal einen Tag, um zu einem Konsens zu finden“, erinnert sich Timothy. „Das war eine große Herausforderung: Obwohl wir alles Leute waren, denen Umweltschutz am Herzen liegt, war es schwierig, diesen Konsens zu erreichen. Wie soll das dann erst in Debatten zugehen, an denen Länder beteiligt sind, denen solche Themen eher unwichtig sind?“ Das Dokument wurde von allen unterschrieben und an die Vereinten Nationen übermittelt.

Abschließend frage ich Timothy und Boris noch, welche Unterschiede ihnen zwischen Deutschland und ihrer Heimat USA aufgefallen seien. Timothy lacht laut: „Das war so verrückt: In New York überqueren die Leute ja die Straße, wann immer sie wollen. In Berlin dagegen habe ich Leute beobachtet, die an einer roten Ampel stehen blieben, obwohl weit und breit kein Auto in Sicht war. Irgendwie unheimlich!“ Boris dagegen irritierte die Ruhe in Berlin: „Ich konnte einfach nicht glauben, wie ruhig es war, fast schon zu ruhig. Und ich habe auch keinen einzigen Vogel gesehen.”

Datum: 26.06.2013
Quelle: Björn Technau, Goethe-Institut New York
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