Archiv 2013

„Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“


Auf Besucherreise in Deutschland: 17 Schulleiterinnen und Schulleiter aus Indien, Pakistan, Nepal und Iran gewannen in München und Frankfurt Einblicke in deutsche Bildungsinstitutionen.

Was ist schönes Wetter? Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und Schwimmbadtemperaturen oder kühle Luft und eine regnerische Atmosphäre? Erstaunlicherweise ist auch das ein sprachlich-kultureller Unterschied: Fast überall in Südasien freut man sich, wenn das Thermometer im Monat Mai nur wenige Grad anzeigt, und selbst Regen kann dann die Laune nicht verdrießen. Und so kam es, dass eine Delegation von 17 Schulleiterinnen und Schulleiter aus Indien, Pakistan, Nepal und Iran ihre einwöchige Deutschlandreise in vollen Zügen genießen konnte – obwohl der Wonnemonat Mai seinem Namen keine Ehre machte. Die jeweils neu in ihr Amt berufenen Direktoren von PASCH-Schulen und Schulketten reisten vom 12. bis zum 18. Mai 2013 nach München und Frankfurt und bekamen dort Einblicke in deutsche Bildungsinstitutionen von der Schule über die Universität bis zum Kultusministerium. Das Besucherprogramm des Goethe-Instituts organisierte und betreute das Reiseprogramm in der bekannt hohen Qualität und berücksichtigte neben allen fachlichen Anteilen natürlich auch die Vermittlung landeskundlicher Erfahrungen.

Fünf Jahre PASCH in Südasien

Am 14. Mai gab es auf der Reise einen besonderen Tagesordnungspunkt: Zum fünften Mal jährte sich der Abschluss der weltweit ersten Vereinbarung zwischen dem Goethe-Institut und einer PASCH-Schule. Im Juni 2008 hatten das Goethe-Institut und die indische DPS-Schulkette in der Zentrale ein entsprechendes „Memorandum of Understanding“ unterzeichnet. Fünf Jahre später kam wieder eine Delegiertengruppe aus Indien und Südasien nach München und reflektierte in einer Feierstunde die Entwicklungen der letzten fünf Jahre. Mit dem gemeinsamen Entzünden der (Öl-)Lampe, einer schönen indischen Gepflogenheit, eröffneten Heike Uhlig, Sprachabteilungsleiterin in der Zentrale, Ina Hoischen, PASCH-Referentin, Andreas Schrade, Auswärtiges Amt, sowie zwei extra eingeflogene Gäste aus Indien die Veranstaltung: Renu Mital, Geschäftsführerin der DPS-Schulkette, und Ashok Pandey, Leiter der Ahlcon International School, verdeutlichten in ihren Präsentationen, welche geradezu unglaublichen Erfolge PASCH für die Förderung von Deutsch als Fremdsprache in Südasien ermöglicht hat.

Neben rund 70 Fit-Schulen im PASCH-Netzwerk des Goethe-Instituts, davon allein 44 in Indien, mit mittlerweile rund 15.000 Deutschlernenden, hat die Leuchtturmwirkung des Projekts dazu geführt, dass in den Ballungsräumen immer mehr Schulen ebenfalls Deutschunterricht einführen; so kann man beispielsweise in Delhi an nahezu 90 Schulen Deutsch lernen. Und die indische staatliche Eliteschulkette Kendriya Vidyalaya war so angetan vom DaF-Unterricht an ihren beiden PASCH-Schulen, dass sie kurzerhand beschloss, Deutsch an allen ihren über 1.000 Schulen einzuführen.

Ein ganz besonderer Glücksfall als Partner des Goethe-Instituts in Indien ist die DPS Society: Nur drei ihrer Schulen sind Teil des PASCH-Netzwerks, aber bis zum heutigen Tag haben 47 Schulen der insgesamt über 200 Mitglieder der Schulkette Deutsch eingeführt. Zurzeit erhalten gut 8.500 Schülerinnen und Schüler dort Deutschunterricht und 15 DPS-Schulen führen Schülerbegegnungsprojekte mit Deutschland durch.

Aber nicht nur quantitative Erfolge sind zu vermelden: Aus Südasien kam einer der Gewinner der Internationalen Deutscholympiade 2012, ein PASCH-Projekt wurde von der UNESCO als Beispiel für „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet und die TU9, dass heißt die neun besten technischen Universitäten Deutschlands, haben mit dem Goethe-Institut ein Kooperationsabkommen zur Anwerbung künftiger Studierenden abgeschlossen.

Reisestationen: München und Frankfurt

Gemäß dem Ziel der Reise, den Schulleiterinnen und -leitern das deutsche Bildungswesen nahe zu bringen und sie darin zu bestärken, sich nach der Rückkehr in ihren Schulen für die deutsche Sprache und Kultur einzusetzen, besuchte die Reisegruppe verschiedene Bildungseinrichtungen in München und Frankfurt und hatte dabei Gelegenheit, sich mit deutschen Gesprächspartnern auszutauschen sowie Vergleiche mit den Heimatländern anzustellen. Höhepunkte der Deutschlandreise waren zweifellos die Besuche im Studienkolleg und in der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität; die dortigen Präsentationen und die Begegnung mit in Deutschland studierenden jungen Leuten aus Südasien stießen auf lebhaftestes Interesse der Schuldirektoren an den (kostenlosen!) Studienmöglichkeiten und boten ihnen die Möglichkeit, ihre zahlreichen Fragen unmittelbar zu klären. Natürlich kam auch der pädagogische Grundsatz „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ zum Tragen, und so bestaunte die Reisegruppe auch Sehenswürdigkeiten wie den Starnberger See und das Goethe-Haus in Frankfurt, lauschte einem Sinfonie-Konzert, probierte kulinarische Köstlichkeiten aus aller Herren Länder und genoss einen ausgiebigen Shopping-Vormittag, an dem Souvenirs aller Art eingekauft wurden. Am Ende der Woche flogen 17 neue Deutschland-Fans vom Frankfurter Flughafen ab, oder um mit Johann Wolfgang Goethe, dem Namensgeber des Goethe-Instituts ein Fazit zu ziehen: „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“

Datum: 10.06.2013
Quelle: Goethe-Institut New Delhi
Links zum Thema

PASCH-net und Social Media