Archiv 2013

Auf die qualifizierten Lehrkräfte kommt es an – ZfA-Tagung in Atlanta


Vom 31. Mai bis 2. Juni kamen die Lehrerinnen und Lehrer der US-Samstagsschulen zur jährlichen Tagung der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) in Atlanta zusammen.

Die Gewinnung qualifizierter Lehrkräfte wird in den kommenden Jahren eine zentrale Herausforderung für die US-Samstagsschulen sein. „Nur mit qualifizierten Lehrkräften wird man junge Menschen Samstag für Samstag an ein freiwilliges Unterrichtsangebot binden können“, sagte Prof. Dr. Sabine Smith, Deutschprofessorin an der Kennesaw State University, bei der Eröffnung der Jahresfortbildung.

Herausforderung neue Medien

Da an dieser Schulform häufig Lehrkräfte unterrichten, die keine grundständige Lehrerausbildung im deutschen Sinne durchlaufen haben, bekräftigte Smith: „Qualifiziert ist nicht immer mit dem Stempel des deutschen Lehrerexamens gleichzusetzen. Mit qualifiziert meine ich, einen Unterricht anzubieten, der Kommunikation fördert, die Lernzeit effektiv nutzt und moderne elektronische Medien miteinbezieht.“

Die Zeiten, in denen aus Kochrezepten grammatische Übungen für Passivkonstruktionen oder die Bildung des Imperativs abgeleitet würden, seien „endgültig vorbei“. „Solche Übungen stehen für den Geist der Schule des 18. Jahrhunderts, die in vielen Teilen der Welt noch heute die Schulstruktur und die Unterrichtsvorbereitungen prägen.“ Die jungen Menschen, die heute Schulen besuchen, seien jedoch im digitalen Zeitalter aufgewachsen. Deren natürliche Kompetenz, mit diesen Medien angstfrei umzugehen, müsse für den Unterricht genutzt werden, etwa bei der Herstellung eigener sprachlicher Unterrichtsprodukte oder der Nutzung von digitalen Lernplattformen wie Moodle, so Smith.

Smith machte den aus allen Teilen der USA angereisten Lehrerinnen und Lehrern Mut, sich auf diese Herausforderungen einzulassen. Zwar steige insgesamt in den USA das Interesse am Erlernen vom Fremdsprachen, aber: „Wenn’s langweilig ist, bleiben die Kids weg. Gerade am Samstagmorgen, wenn besonders die Halbwüchsigen ganz andere Interessen haben: nämlich Sport oder einfach mal auszuschlafen.“

Handfeste Gründe für Deutsch

Auch Jon Valentine, Fremdsprachenkoordinator im Schulministerium des US-Bundesstaates Georgia, hatte beim Eröffnungsempfang des Deutschen Generalkonsulates auf die gewachsene Bedeutung des Fremdsprachenlernens in den USA hingewiesen und outete sich dabei als Deutsch-Fan. Neben seiner persönlichen Begeisterung gibt es gerade im Südosten der USA auch ganz handfeste Gründe: gleich eine ganze Reihe deutscher Firmen ist dort engagiert, von Siemens über Volkwagen, Mercedes-Benz, BMW und nun auch Porsche alle großen Player mit eigenen Produktionsstandorten. „Dass man in Deutschland weitgehend gebührenfrei studieren kann, macht die Sprache für junge US-Amerikaner ebenfalls sehr attraktiv.“ Ein Studium in den USA ist in der Regel mit hohen Kosten verbunden, die ein durchschnittliches Familienbudget für Jahre mit Krediten belasten.

Neben der Thematisierung aktueller sprachenpolitischer Aspekte erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeiten, in den Räumlichkeiten des Goethe-Zentrums Atlanta ihre didaktischen und methodologischen Kompetenzen zu stärken. Weitere ZfA-Fachberaterinnen und -Fachberater waren aus Washington, Chicago, San Francisco, Toronto, Edmonton in Kanada und Mexico-City zur Workshop-Moderation angereist. Tagungsleiterin und Organisatorin Petra Reuter hatte zudem Universitätsdozentinnen und erfahrene Samstagsschullehrkräfte als Referenten gewinnen können. Reuter selbst informierte die Lehrkräfte über das neue Diagnose- und Prüfungsformat der Internationalen Vergleichsarbeiten, die künftig in jedem Schuljahr von der ZfA auf den Niveaustufen A1 und A2 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens angeboten und die die in den USA sehr beliebte Zentrale Deutschprüfung ZDP/A2 ablösen werden.

Mit vielen Eindrücken und (Er-)Kenntnissen im Gepäck reisten die Teilnehmer nach zweieinhalb Tagen ab. „Ich habe die Tagung als ganz intensive Zeit erlebt“, so Anke Byrne von der der Sprachdiplomschule in San Diego. „Erstens gab es eine Fülle von Tipps und Anregungen, und zweitens sind diese Tagungen für uns ganz wichtige Austauschforen, bei denen die Zeit eigentlich nie ganz reicht.“ Ein Dank gilt der Deutschen Botschaft Washington, die diese Tagungen Jahr für Jahr aus Netzwerk Deutsch-Mitteln finanziert.

Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes betreut im Auftrag des Auswärtigen Amts und unter Mitwirkung der Länder derzeit mehr als 140 Deutsche Auslandsschulen und 870 Sprachdiplomschulen in finanzieller, personeller und pädagogischer Hinsicht. Die ZfA verstärkt eine qualitätsorientierte Schulentwicklung und unterstützt die Gründung neuer Schulen mit deutschem Profil. Sie berät lokale Schulen beim Aufbau des Deutschunterrichts und bei der Einführung deutscher Schulabschlüsse nach internationalen Standards.
Datum: 06.06.2013
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)

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