Archiv 2013

Bernhard Schlink liest an der Deutschen Schule Mailand


Der Autor Bernhard Schlink folgte am 19. April einer Einladung ehemaliger Schülerinnen und Schüler und stellte sich nach seiner Lesung an der Deutschen Schule Mailand den Schülerfragen.

Schüler haben nicht allzu oft die Gelegenheit, den Autor eines Werkes, das im Deutschunterricht gelesen wird, persönlich zu erleben. Eine dieser seltenen Gelegenheiten ergab sich für die Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule Mailand (DSM). Ermöglicht wurde der Auftritt Schlinks durch die Vermittlung des Vereins der ehemaligen Schüler der DSM in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

„Da der Roman ‚Der Vorleser’ bei uns in der Oberstufe zur Pflichtlektüre gehört, hat Bernhard Schlink zunächst hieraus kurz vorgelesen“, schildert Karlheinz Fechter, Fachleiter Deutsch. Der Roman erschien 1995 und handelt von einem jungen Mann und seiner Beziehung zu einer älteren Frau, die später als Kriegsverbrecherin der Nazizeit verurteilt wird. „Der Vorleser“ gehört zu Schlinks erfolgreichsten Werken. Es wurde in 39 Sprachen übersetzt, mehrfach preisgekrönt und für das Kino verfilmt.

Nach der Lesung nahm sich der Autor eine ganze Stunde Zeit, die Fragen des Publikums zu beantworten, das größtenteils aus Schülerinnen und Schülern der DSM bestand, aber auch aus einigen DAAD-Stipendiatinnen und -Stipendiaten, interessierten Ehemaligen sowie Eltern. Nachdem zwei Schülerinnen in das Werk und die Biografie des Autors eingeführt hatten, ergaben sich nicht nur Fragen zum vorgetragenen Roman, sondern auch zur Biografie. Unter anderem wollten die Schülerinnen und Schüler wissen, wie man die Schriftstellerei mit dem Beruf eines Richters und Dozenten für Rechtswissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität verbinden könne. Für Bernhard Schlink, so seine Antwort, sei das Schreiben immer eine Art Ausgleich gewesen. Es habe halt manchmal etwas länger gedauert, bis ein Buch fertig war. Inzwischen sei er aber emeritiert und könne sich ganz dem Schreiben widmen.

Figuren mit Eigenleben


„Aus Sicht der Schüler am überraschendsten war wohl die Art und Weise, wie Bernhard Schlink mit seinem literarischen Stoff und vor allem seinen Figuren umgeht“, resümiert Fechter. Auf teilweise sehr konkrete Fragen, wie denn etwas genau zu verstehen sei, antwortete der Autor, er habe in seinem Buch alles über die Figuren geschrieben, was er über sie wisse. Was darüber hinausgehe, wisse er auch nicht. Viele gute Fragen müssten daher leider unbeantwortet bleiben. „Es scheint fast, als führten seine Figuren ein Eigenleben“, so Fechter.

Die Deutsche Schule Mailand gehört zu den mehr als 140 Deutschen Auslandsschulen, die von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes im Auftrag des Auswärtigen Amts und unter Mitwirkung der Länder personell, finanziell und pädagogisch betreut werden. Die ZfA verstärkt die qualitätsorientierte Schulentwicklung und unterstützt die Gründung neuer Schulen mit deutschem Profil. Sie berät lokale Schulen beim Aufbau des Deutschunterrichts und bei der Einführung deutscher Schulabschlüsse nach internationalen Standards.

Datum: 27.05.2013
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)
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