Archiv 2013

Probestudium in Deutschland


Vier Wochen Schnee und eisige Kälte – ungewohnt, aber einmalig für fünfzehn junge Mexikanerinnen und Mexikaner, die im Januar ein vierwöchiges Probestudium an der Technischen Universität Ilmenau in Thüringen absolvierten.

Fünf Mädchen und zehn Jungen aus Guadalajara, Pachuca, Puebla und Puerto Vallarta hatten sich am 9. Januar auf den Weg nach Deutschland gemacht. Bereits im letzten Jahr konnten 15 Schülerinnen und Schüler der vom Goethe-Institut betreuten PASCH-Schulen in Mexiko einen Winter in Deutschland erleben. Die TU Ilmenau organisiert seit vielen Jahren Sommerkurse für Studierende. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Mexiko wurde 2012 erstmalig ein Winterkurs für Schülerinnen und Schüler der PASCH-Schulen mit einem vielseitigen Fach- und Kulturprogramm konzipiert.

Die Universität von allen Seiten kennenlernen

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten werden in diesem Sommer die Schule beenden und möchten später gern in Deutschland studieren. Sie lernen seit zwei bis drei Jahren Deutsch und erreichten bisher das Sprachniveau A2-B1. Aufgrund ihres besonderen Interesses an der deutschen Sprache und Kultur sowie an technischen Studienfächern wurden sie für dieses PASCH-Projekt ausgewählt.


Der Winterkurs umfasst nicht nur Sprachunterricht, Phonetik, Rhetorik- und Präsentationstraining, sondern auch ein umfangreiches Technikprogramm. So konnten die Schülerinnen und Schüler die Universität von allen Seiten beschnuppern – von Fachvorträgen über Laborführungen bis hin zu Mensaessen, Waschsalon und Studentenclub. Sie lernten nicht nur den deutschen Studentenalltag kennen, sondern auch nützliche Dinge fürs Leben. Denn so mancher bekundete: „Ich habe noch nie selbst gewaschen, aber ich werde es lernen.“

Besonders beeindruckt waren die mexikanischen Gäste von der Führung im Impuls- und Hochspannungslabor, wo sie erlebten, wie in Sekundenschnelle Blitze entstehen. Im Fraunhofer-Institut lernten sie das IOSONO-Soundsystem kennen, das in Ilmenau entwickelt wurde. Außerdem konnten sie ihr technisches Know-how bei der Konstruktion und Programmierung von kleinen Robotern unter Beweis stellen. Beim Besuch des Medienlabors hatten die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer die Möglichkeit, eine eigene Talkshow zu drehen. Zur Diskussion standen „Kommunikation im Facebook“ und „Kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und Mexiko“. Von der modernen Ausstattung der Universität begeistert, waren sich am Ende alle einig, dass Deutschland die beste Technik hat, das Wetter nicht immer angenehm ist, aber der Schnee jeden Tag von neuem fasziniert.

Projektwoche an einer Schule


Der Höhepunkt des Aufenthalts war die Projektwoche an der Goethe-Schule Ilmenau. Die Mexikaner hatten Gelegenheit ihr Land und ihre Kultur zu präsentieren. Anschließend ging jeder mexikanische Jugendliche mit seiner deutschen Patenschülerin oder -schüler in den Unterricht. An zwei Tagen diskutierten sie das Thema „Wege in den Beruf“. Am Ende wurden die Erkenntnisse zu den unterschiedlichen Bildungssystemen in Deutschland und Mexiko in der Schule präsentiert. Fazit der Schüler: „Und irgendwie ticken wir doch alle gleich.“

Es war ein sehr intensiver interkultureller Austausch zwischen den jungen Leuten, neue Freundschaften entstanden und viele Freizeitaktivitäten wurden von nun an gemeinsam unternommen, wie z. B. Eislaufen, Bergfest oder die Faschingsfeier der Ilmenauer Gymnasien. „Das war die beste Party meines Lebens“, kommentierte Richie diesen Abend auf dem Heimweg zur Jugendherberge.

Geschichtsträchtige Orte

Doch zum Ausruhen war nicht viel Zeit. Denn wenn man schon einmal in Deutschland ist, darf man geschichtsträchtige Orte wie die Hauptstadt Berlin, aber auch die mittelalterliche Wartburg in Eisenach, Zufluchtsort Martin Luthers, nicht verpassen. Angefangen mit einem Flughafenbesuch in Frankfurt, ging es weiter zum Kölner Dom und ins Haus der Geschichte in Bonn. Auch Beethoven wurde ein Besuch abgestattet, ebenso wie Goethe und Schiller in Weimar. Den meisten hat Dresden am besten gefallen. Völlig fasziniert von der Architektur und Geschichte der schönen Stadt an der Elbe, kamen einige zu dem Entschluss, später einmal hier in der Gläsernen Manufaktur bei Volkswagen zu arbeiten. Denn VW bedeutet für Mexikaner auch ein Stück Heimat. Schließlich befindet sich in Puebla/Mexiko das zweitgrößte Volkswagenwerk der Welt.

Datum: 04.03.2013
Quelle: Diana Petermann, Goethe-Institut Mexiko
Links zum Thema

PASCH-net und Social Media