Archiv 2013

Eins zu null für Deutsch: Internationales PASCH-Jugendcamp 2013 in Gwalior


Mehr als 100 Schülerinnen und Schüler aus dem Iran, aus Afghanistan, Pakistan, Nepal, Indien und Sri Lanka trafen sich im Januar 2013 zu einem PASCH-Jugendcamp in Indien.

Das Camp fand vom 3. bis zum 8. Januar in der Scindia School Gwalior statt. Sechs Tage lang stand „ Deutsch lernen und Deutschland erfahren“ auf dem Programm – und das in einem kunterbunten multikulturellen Rahmen der internationale Begegnungen und Freundschaften zwischen Schülern geradezu provozierte. In fünf verschiedene Deutschkurse der Niveaus A1 bis B1 eingeteilt, hatten die Lernenden vor allem die Gelegenheit ihre mündliche Sprachkompetenz zu trainieren und landeskundliches Wissen auszubauen.

Deutsch mal auf andere Art lernen

Ihrer künstlerischen Ader konnten sie in den Workshops „Theater“, „Kreatives Schreiben“ und „Camp-Zeitung“ freien Lauf lassen und in Interaktion mit Gleichaltrigen aus anderen Ländern Deutsch mal auf eine ganz andere Art lernen.

Auch beim Filmabend „Der Gestiefelte Kater“ und einem Quiz über die Bundesrepublik waren alle mit Begeisterung dabei. Abends blieb am Lagerfeuer noch Zeit für Lieder aus Sri Lanka und in der Talentshow beeindruckten Afghanistan mit sportlichen Darbietungen sowie Mumbai mit einer Poetry-Slam-Einlage besonders.

Das Team des Goethe-Instituts Max Mueller Bhavan New Delhi wollte seinen ausländischen Gästen natürlich auch Sehenswürdigkeiten der Regionen Madhya Pradesh und Uttar Pradesh nicht vorenthalten. So besuchte die Gruppe den Man Singh Palast nur 20 Gehminuten entfernt von der Scindia School und den Jai Vilas Palast in Gwalior. Ein Highlight für viele Schüler und auch Lehrer war der Tagesausflug zum Taj Mahal nach Agra – großartig trotz langer Zugfahrt und klirrender Kälte.

Feuerwerk der Kulturen

Am letzten Tag konnte früh morgens bei einem Fußballturnier Afghanistan gegen Indien die Gruppe aus Kabul die Partie für sich entscheiden, und nach dem Frühstück glänzte ausnahmslos jede Gruppe mit ihren Aufführungen beim Kulturvormittag. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Theater-Workshops steckten all ihre kreative Energie in eine sehr lustige Aufführung des Märchens „Schneewittchen“, und auch die im Deutschunterricht eingeübten Lieder wurden auf der Bühne zum Besten gegeben. Die Gruppe aus Kathmandu bestach mit ihrem präzise einstudierten Volkstanz in traditioneller Kleidung, die Teilnehmer aus Pakistan stellten Land und Leute mit Hilfe einer PowerPoint-Präsentation und ihrer Nationalhymne vor und die fünf Mädchen aus dem Iran sangen Volkslieder auf Persisch. Mumbai schließlich führte einen eindrucksvollen traditionellen Lichtertanz vor – alles in allem ein wahres Feuerwerk der Kulturen. Ein besonderes Bild ergab sich, als die indischen und pakistanischen Schülerinnen und Schüler zusammen das Cricket-Match Indien gegen Pakistan im Fernsehen verfolgten: Mit sportlichem Eifer bei der Sache, aber in bester Harmonie vereint, verfolgten sie das Spiel gemeinsam mit ihren neuen Freundinnen und Freunden.

Kein Wunder, dass am Abreisetag viele Schülerinnen und Schüler traurig waren als es galt, sich von den neu gewonnenen ausländischen Freundinnen und Freunden zu trennen.

Viele einmalige Erinnerungen bleiben jedoch:

Prasanth Govindarajulu Krishnamoorthy, G.D. Matriculation HSS Coimbatore, Indien:

„Mich hat es fasziniert, dass ich mit Schülern aus anderen Ländern, die vielleicht nicht so gut Englisch sprechen, Deutsch als Kommunikationssprache verwenden kann. Auch wenn ich erst seit vier Monaten Deutsch lerne, konnte ich mich gut verständigen und habe hier so viel gelernt.“

Aruzo Hamidulah, Verwaltungs- und Wirtschaftsgymnasium Jamhuriat Kabul, Afghanistan:

„Der Theater-Workshop war toll. Wir haben das Märchen ‚Schneewittchen‘ aufgeführt – auf Deutsch natürlich. Ich mag deutsche Literatur allgemein sehr gern; Heinrich Heine ist mein Lieblingsautor. Im Camp konnte ich eine neue Freundin kennenlernen: Vedha aus Bangalore.“

Sidath Sachintha, Royal College Colombo, Sri Lanka:

„Im Unterricht und auch sonst hat man gar nicht gemerkt, dass man gerade Deutsch lernt. Es hat so viel Spaß gemacht und war sehr interessant – so soll das mit den anderen Fächern in der Schule auch sein: ganz viel Praxis und möglichst wenig Theorie. Mit den iranischen Mädchen haben wir uns am besten verstanden, aber auch die Jungs aus Tamil Nadu waren so nett. Echt schade, dass das Camp jetzt schon aus ist.“

Ali Haider, Roots School Islamabad, Pakistan:

„Ich bin in der zehnten Klasse und konnte mich damals zwischen den Fremdsprachen Deutsch und Chinesisch entscheiden. Mein Vater hat gesagt, ich soll unbedingt Deutsch nehmen. Er hat nämlich in Deutschland, in Heidelberg, studiert, und ich habe das auch vor. Obwohl ich noch nie in Deutschland war, bin ich total begeistert. Der Kontakt zu so vielen Schülern aus verschiedensten Ländern war einmalig: Mit Arvind aus Coimbatore habe ich schon E-Mail-Adressen ausgetauscht.“

Nelly Dhakhwa, Gaurav Basnet und Saphal Agrawal, DAV Kathmandu, Nepal:

„Wir sind stolz, dass wir jetzt auch Freunde aus anderen Ländern haben, nicht nur aus Nepal. Deutsch lernen wir seit drei Jahren und im Camp haben wir die Hauptstädte der Bundesländer neu gelernt: Erfurt ist zum Beispiel die Landeshauptstadt von Thüringen. Was auch toll war: Wir konnten ganz viel Deutsch sprechen. Das geht im normalen Unterricht nicht so gut.“

Aysha Munir, Lehrerin an der Roots School Islamabad, Pakistan:

„Ich habe den Lehrern des Goethe-Instituts beim Deutschunterricht zugeschaut und war beeindruckt, dass sie nur Deutsch sprechen mit den Schülern. Erstaunlich! Und auch sonst habe ich meine Schüler viel Deutsch und nicht so viel Englisch im Gespräch mit anderen Jugendlichen reden hören. Auch das Potenzial an Kulturaustausch, das dieses Camp in sich birgt, ist enorm.“

Datum: 04.01.2013
Quelle: Goethe-Institut Max Mueller Bhavan New Delhi

PASCH-net und Social Media