Archiv 2013

Stärkung der deutschen Sprache in Ungarn – flächendeckende Einführung des DSD I


Im Januar wurde die flächendeckende Einführung des Deutschen Sprachdiploms (DSD) der Kultusministerkonferenz (KMK) Stufe I in Ungarn besiegelt.

Das Ministerium für Humane Ressourcen der Republik Ungarn, die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) und die KMK haben der Absichtserklärung zugestimmt und damit den Stellenwert des Deutschunterrichts in Ungarn gestärkt.

Das DSD I gilt als Nachweis der Deutschkenntnisse, die zur Aufnahme an ein Studienkolleg in Deutschland erforderlich sind. Mit dem DSD II sind die erforderlichen Sprachnachweise für ein Hochschulstudium in Deutschland erbracht. Angelehnt an das Modell in Frankreich wird nun die Durchführung des DSD I in ungarische Hände übergeben. Während die deutsche Seite weiterhin für die Erstellung der Prüfungsunterlagen, die Zertifizierung sowie die fachliche Unterstützung bei Fortbildungen zuständig ist, übernimmt die ungarische Seite die Verantwortung für die Qualitätssicherung bei der Organisation und Durchführung des DSD I.

DSD I in ungarischer Eigenregie

Ungarn erhält denselben Prüfungstermin sowie dieselben Prüfungsunterlagen, die auch im weltweiten DSD I eingesetzt werden – die schriftliche und mündliche Prüfung werden aber nun in ungarischer Eigenregie durchgeführt. So wird der Prüfungsvorsitz in der mündlichen Prüfung von geschulten ungarischen Lehrkräften übernommen und die Ergebnisse der schriftlichen Prüfung werden von ausgebildeten ungarischen Bewertern ausgewertet.

Mit der Umsetzung dieser Aufgabe ist das Ungarndeutsche Bildungszentrum (UBZ) in Baja betraut, das als zweisprachige Nationalitätenschule seit vielen Jahren das DSD II anbietet und im letzten Schuljahr als Exzellente Deutsche Auslandsschule ausgezeichnet wurde. Die ungarische Institutsleiterin und Hauptdirektorin Gabriella Scherer ist von der flächendeckenden Einführung des DSD I überzeugt: „Mit der landesweiten Einführung des DSD I verfügt das ungarische Bildungssystem über ein Mittel, mit dessen Anwendung sich ein objektives Bild und eine gute Rückmeldung über die Ergebnisse des Deutschunterrichts an den ungarischen Schulen geben lässt.“

Gewinn für beide Partner

Die Ergebnisse sprechen für sich: Am Ende des letzten Schuljahres konnten 200 Schülerinnen und Schüler mit einem B1 Diplom die Grundschule verlassen. Die große Nachfrage neuer Schulen, die am Projekt teilnehmen möchten, zeigt, dass das DSD I zugleich eine Möglichkeit ist, neue Schüler zu gewinnen und das eigene Schulprofil zu schärfen. Nachdem im letzten Jahr bereits 25 Schulen erfolgreich am Projekt teilgenommen haben, sollen in den kommenden fünf Jahren stufenweise weitere Schulen aufgenommen werden. Im Jahr 2016 soll an insgesamt 150 Schulen das DSD I angeboten werden. Zielgruppen sind zunächst die bilingualen Grundschulen bzw. Nationalitätengrundschulen und Grundschulen mit verstärktem Deutschunterricht ab der 1. Klasse.

Langfristig ist die flächendeckende Ausweitung des DSD I ein Gewinn für beide Partner: „Die deutsche Seite profitiert von der Verankerung der deutschen Sprache in Ungarn und einer fachlichen Weiterentwicklung der Schulen im DaF-Bereich. Die ungarische Seite hat mit dem DSD I ein wirksames Mittel, die Deutschkenntnisse am Ende der Grundschule zu überprüfen und den Fremdsprachenunterricht systematisch und kompetenzorientiert weiterzuentwickeln“, erläutert Joachim Lauer, Leiter der ZfA.

Ungarn übernimmt Vorreiterrolle

Corinna Meuris, die verantwortliche Projektleiterin in der ZfA, ergänzt: „Die überzeugenden Leistungen im DSD I zeigen zum einen, dass der Deutschunterricht in Ungarn eine angemessen hohe Qualität hat. Zum anderen machen sie deutlich, dass die Prüfung als unabhängiges und objektives Diagnose- und Messinstrument für die Sprachkenntnisse in den vier Kompetenzbereichen eingesetzt und so gleichzeitig als Instrument für die Entwicklung und Modernisierung des Deutschunterrichts fungieren kann.“

Stephanie Bräunig, Fachschaftsberaterin am UBZ in Baja und fachliche Beraterin im DSD I-Projekt in Ungarn, sieht Ungarn mit der flächendeckenden Einführung des DSD I in einer Vorreiterrolle für den gesamten osteuropäischen Raum: „Ungarn beweist, dass die Übernahme der Prüfungsdurchführung in heimische Hände zu einer gleichberechtigten und wertschätzenden Kooperation führt.“

Für Kristóf, Schüler einer Budapester Grundschule, spielt dies alles keine Rolle. Stolz präsentiert er sein Diplom: „Obwohl ich gerade erst mit der Grundschule fertig bin, kann ich schon so gut Deutsch, dass ich in Deutschland ein Studienkolleg besuchen dürfte. Das finde ich toll!“

Datum: 23.01.2012
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)

PASCH-net und Social Media