Archiv 2013

Typisch deutsch? – Schuhplattler vs. Break Dance


Im Tanz- und Street Art-Camp rappen PASCH-Schülerinnen und -Schüler aus Argentinien, Chile, Paraguay, Uruguay, Mexiko und Brasilien auf Deutsch und nähern sich einem aktuellen Deutschlandbild.

Das Tanz- und Street Art-Camp fand vom 2. bis 8. Dezember 2012 in Villa General Belgrano (Argentinien) statt: Deutsch lernen ohne staubige Bücher und öde Tafelbilder. Seit 2008 lädt das Goethe-Institut in Buenos Aires jedes Jahr rund 100 PASCH-Schülerinnen und -Schüler zu diesem besonderen PASCH-Deutschcamp ein. Sogenannte Teamer aus Deutschland und Österreich sowie deutsch sprechende Teamer aus Lateinamerika boten ein breites Spektrum von Workshops an.

Typisch deutsch?

Jugendliche sollen über den Tellerrand blicken und einen Eindruck davon bekommen, dass nicht nur Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay Einwanderungsländer sind, sondern auch Deutschland – und zwar eins mit ziemlich vielen Facetten. Das Deutschlandbild, das an einigen deutschen Schulen in der Region vermittelt wird, entspricht nicht mehr der aktuellen Lebenswirklichkeit in Deutschland. Im Sommercamp lernen die Jugendlichen beides kennen: Brauchtum und Moderne. In Workshops lernen sie traditionelle deutsche Tänze wie Schuhplattler und Bandeltanz – original mit Lederhosen und Dirndln. Dass Deutschland aber auch ganz andere Seiten hat, wird schnell klar, sobald Maradona Akkouch, bekannt aus dem Dokumentarfilm „Neukölln Unlimited“ und sein Trainer Ivan Stevanovic anfangen, wie Kreisel über den Boden zu wirbeln. Maradona und Ivan gaben den Jugendlichen eine erste Lektion in Sachen Break Dance.

Street Artists verpassen dem Schwarzwaldidyll in Villa General Belgrano einen ganz neuen Anstrich. Davor bleibt auch der Maibaum nicht verschont. Es kommt zum spielerischen Clash der Kulturen zwischen Schuhplattler und Break Dance, Schnitzwerk und Street Art. All das wird von einem Musikvideo dokumentiert, für das die PASCH-Schülerinnen und -Schüler Raps auf Deutsch geschrieben haben.

Ein „Culture Clash“ im Videoclip: „Wo gehörst du hin?!“

Gemeinsam mit der Projektleiterin Ines Patzig-Bartsch aus dem PASCH-Büro Buenos Aires hat der Berliner Regisseur Wolf Gresenz das Konzept für den Videoclip entwickelt: Ein „Culture Clash“ zwischen dem Brauchtum, wie es in einigen deutschen Siedlungen in Argentinien noch immer gepflegt wird, und der modernen urbanen Subkultur. Über das Lernen der deutschen Sprache hinausgehend „nähern wir uns mit den Camps jedes Jahr dem aktuellen Deutschlandbild“, erklärt Ines Patzig-Bartsch. „Dieses Jahr wollten wir Menschen einladen, die Deutsche sind, aber nicht im klassischen Sinne deutsch, so wie man sich das hier in der Region vorstellt.“ So treffen in Villa General Belgrano die örtliche Volkstanzgruppe auf die Jugendlichen vom Breakdance-Workshop, bayrische Volksmusik trifft auf Hip Hop und Street Art auf rustikale Schwarzwaldästhetik. Damit wird bei den Jugendlichen das Interesse für das moderne und auch vielseitige Deutschland und seine Gesellschaft geweckt. „Wo gehörst du hin?!“ heißt der Videoclip. Dass dies nicht unbedingt eine Frage des Passes ist, den man besitzt, dürfte den PASCH-Schülerinnen und -Schülern bei dem Camp klar geworden sein.

Datum: 18.01.2013
Quelle: Ines Patzig-Bartsch, Goethe-Institut Buenos Aires; Katja Hölldampf, Goethe-Institut Zentrale
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