Archiv 2013

Spanien: Duale Berufsausbildung an Deutscher Auslandsschule


Mehr als die Hälfe der jungen Spanierinnen und Spanier ist arbeitslos. Um dieses Problem zu lösen, setzt die spanische Regierung auf eine Berufsausbildung nach deutschem System.

Vorbild ist eine von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) geförderte Berufsschule in Barcelona. ASET (Asociación Hispano-Alemana de Enseñanzas Técnicas) Barcelona gehört zu den von der ZfA geförderten über 140 Deutschen Auslandsschulen weltweit. Ihre Besonderheit: ASET ist ein Berufsbildungszentrum, das deutsche Unternehmen in Spanien für eine zweisprachige und bikulturelle kaufmännische Ausbildung gründeten. Heute zählt das Zentrum 200 Schülerinnen und Schüler und bildet nach dualem deutschem Vorbild Industriekaufleute und Kaufleute für Spedition und Logistik aus. Parallel können die Schülerinnen und Schüler ggf. die Fachhochschulreife erwerben. Neu ist die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bzw. zur Einzelhandelkaufrau.

In Spanien müssen bislang zwei Jahre Berufsschule genügen. Kein Berufsschüler hat einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen; nur in einem zehnwöchigen Praktikum kann der Schüler interne Betriebsabläufe kennenlernen. „Obwohl diese Berufsschulen kostenintensiver sind als die duale Berufsausbildung in Deutschland, ist die Qualifikation der Schüler niedrig und das Ansehen der Ausbildung geringer, so dass junge Spanier wann immer möglich studieren – auch wenn Akademiker in der jetzigen Zeit kaum angemessen bezahlte Arbeit finden“, berichtet Lothar Sprenzel, Schulleiter von ASET Barcelona.

Nachwuchskräfte mit solider Berufsausbildung

Eine der beabsichtigten Reformen der spanischen Regierung zielt auf die duale Berufsausbildung. Seit Spätsommer 2012 läuft dazu ein Pilotprojekt im Bereich Einzelhandel in Kooperation mit der deutschen Handelkammer und der Bertelsmann Stiftung: Bei ASET Barcelona begann für zwei Klassen eine duale Ausbildung. Dafür haben 49 junge Spanierinnen und Spanier Ausbildungsverträge bei Aldi, Lidl, Bertelsmann, Bauhaus oder Media-Markt unterschrieben. „Die deutschen Unternehmen wünschen sich Nachwuchskräfte mit solider Berufsausbildung, wie sie es aus der Bundesrepublik kennen“, erklärt Schulleiter Sprenzel.

Mit großer Motivation nehmen die spanischen Auszubildenden seit dem 15. Oktober an dem für sie völlig neuen Programm teil: „Drei Tage pro Woche in ihrem jeweiligen Ausbildungsbetrieb, zwei Tage Berufsschulunterricht bei ASET; mit drei Wochenstunden Deutschunterricht streben wir das ehrgeizige Ziel an, die Auszubildenden innerhalb der zweijährigen Ausbildung zum Deutschen Sprachdiplom Stufe I zu führen“, so Sprenzel.

Barcelona ist erst der Anfang. Die weiteren Etappen: 2013 soll gemeinsam mit dem Management der ASET Madrid die duale Ausbildung für spanische Jugendliche in Madrid eingeführt werden, ab 2014 wird über eine weitere Ausweitung des Programms nachgedacht. „Das wird eine Herausforderung, da muss Überzeugungsarbeit in verschiedenen Gremien geleistet werden“, resümiert Sprenzel. „Spanische Betriebe zeigen bisher wenig Interesse: Auszubildende einstellen und eine Ausbildungsvergütung zahlen – das wären für sie neue, ungeplante Kosten.“ Deshalb baut er auch weiterhin auf die Partnerschaft der in Spanien ansässigen deutschen Unternehmen.

Pilotprojekt von ASET ausgezeichnet

„Was wir vorhaben, ist für die spanische Berufsausbildung eine große Veränderung. Wenn es gelingt, dann jetzt in der schweren Krise mit über 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit“, urteilt der Leiter der Berufsschule. Da ist es förderlich, wenn eine spanische Stiftung für Bildung (Grupo Siena) die Deutsche Schule ASET Barcelona sowie die deutsche Handelskammer und die Bertelsmann Stiftung gemeinsam für das Pilotprojekt mit einem Preis auszeichnet. Den hat jüngst die Schirmherrin der Stiftung übergeben, Prinzessin Letizia von Spanien. Sprenzel denkt schon weiter: Auch in Griechenland gilt es, eine hohe Jugendarbeitslosigkeit zurückdämmen und Neues zu versuchen. Er stellte das Pilotprojekt für Spanien bereits in Athen vor.

Die ASET Barcelona gehört zu den mehr als 140 Deutschen Auslandsschulen, die von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes im Auftrag des Auswärtigen Amts und unter Mitwirkung der Länder personell, finanziell und pädagogisch betreut werden. Die ZfA verstärkt die qualitätsorientierte Schulentwicklung und unterstützt die Gründung neuer Schulen mit deutschem Profil. Sie berät lokale Schulen beim Aufbau des Deutschunterrichts und bei der Einführung deutscher Schulabschlüsse nach internationalen Standards. Zurzeit werden 12 Schulen mit berufsbildenden Zweigen gefördert.
Datum: 03.01.2013
Quelle: ASET Barcelona

PASCH-net und Social Media