Archiv 2012

Mehrsprachigkeitskonferenz in Stockholm


Am 13. November fand in Stockholm eine internationale Konferenz zum Thema „Mehrsprachigkeitspolitik in Europa – Herausforderungen und Möglichkeiten“ statt.

Bildungspolitiker, Schulleiter, Fremdsprachenlehrer, Experten, Wirtschaftsvertreter und Journalisten diskutierten unter anderem über den Stellenwert der deutschen Sprache in Schweden. Organisiert wurde die Konferenz vom Goethe-Institut, den Botschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern. Ziel war es, über Mehrsprachigkeit zu informieren und zu diskutieren.

In Vorträgen und parallelen Präsentationen beschäftigten sich die Teilnehmer u.a. mit der Mehrsprachigkeitspolitik der Europäischen Union, der Fremdsprachenkompetenz europäischer Jugendlicher und dem Unterricht und Bedarf an Deutsch in Schweden. Sie diskutierten außerdem über Best-Practice-Beispiele aus Österreich, Schweden und der Schweiz sowie über Bildungsstandards in Schulen am Beispiel Deutschlands.

Vorrang für Deutsch

„Von 200 befragten schwedischen Unternehmen, die international ausgerichtet sind, gaben 37 Prozent in einer aktuellen Studie an, Deutsch solle als wichtigste Sprache nach Englisch in der Schule Vorrang haben“, berichtete Dr. Gerhard Austrup, ZfA-Fachberater in Schweden. „Englisch reicht nicht aus, wenn man in deutschsprachigen Ländern erfolgreich sein will“, betonte auch Brigitta Malmberg, deren Familienunternehmen Biogasanlagen primär in die deutschsprachigen Länder verkauft.

„Doch in Schweden ist seit Jahren Spanisch angesagt, oft assoziiert mit Sommer, Sonne, Strand und der Leichtigkeit des Lebens, während Deutsch als schwere, ‚uncoole’ Sprache gilt“, so Fachberater Austrup. Obwohl Spanisch populär ist, sind die Lernergebnisse jedoch laut Neil Jones, Direktor des European Survey on Language Competences aus Cambridge, alles andere als überzeugend.

„Mehr Schweden müssen Deutsch lernen“

Lars Hallenberg von der Lehrergewerkschaft LR berichtete, dass nur ein Fünftel der Jugendlichen, die eine Fremdsprache wählen, in Klasse 9 Deutsch belegen. Im Gymnasium sei der Anteil deutlich geringer. Fremdsprachenlernen würde als aufwändig und anstrengend gelten, deshalb würden sich viele Schüler den Anforderungen in einer Schulkultur, in der das Sprachenlernen auf freiwilliger Basis stattfindet, entziehen. Helena von Schantz, die Vorsitzende des schwedischen Fremdsprachenlehrerverbandes LMS, sieht darin die Hauptursache für die negative Einstellung gegenüber den Fremdsprachen: „Niemand würde vorschlagen, die Fächer Chemie oder Werken abwählen zu können. Deshalb bin ich dafür, die Sprachenwahl obligatorisch zu machen.“

In der abschließenden Podiumsdiskussion waren sich alle Teilnehmer einig, dass Schweden mehr Mehrsprachigkeit braucht, vor allem auch mehr Deutsch, wie es der Volvo-Chef Olof Persson kurz zuvor in einem Interview gefordert hatte: „Mehr Schweden müssen Deutsch lernen. Schwedische Unternehmen verlieren viele geschäftliche Möglichkeiten, wenn ihre Mitarbeiter kein Deutsch können.“

In Schweden betreut die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes im Auftrag des Auswärtigen Amts und unter Mitwirkung der Länder derzeit die Deutsche Schule Stockholm sowie 14 Schulen, die das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz anbieten, in finanzieller, personeller und pädagogischer Hinsicht. Die ZfA verstärkt eine qualitätsorientierte Schulentwicklung und unterstützt die Gründung neuer Schulen mit deutschem Profil. Sie berät lokale Schulen beim Aufbau des Deutschunterrichts und bei der Einführung deutscher Schulabschlüsse nach internationalen Standards.
Datum: 28.11.2012
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)

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