Archiv 2012

Poesie kennt keine Grenzen: Poetry Slam in Südamerika


Im Oktober debattierten und slammten Schülerinnen und Schüler aus Argentinien, Chile, Ecuador und Paraguay zusammen in Buenos Aires. Mit viel Engagement meisterten Schüler und Organisatoren das Projekt.

Debattieren und Dichten über Landesgrenzen hinweg: Als Bernd Buchholz vor mehr als zwei Jahren am Tor des Instituto Ballester in Buenos Aires Birgit Bettin von seiner Idee erzählte, dachte sie bei sich: „Schön, wenn jemand noch solch einen Idealismus aufbringt und daran glaubt, Unmögliches möglich zu machen“.

Vorversuche waren schon gelaufen, als er im Mai 2011 mit einer Schülergruppe der 11. Klasse zum Schüleraustausch nach Filadelfia kam. Der Austausch war im Jahr zuvor ins Leben gerufen worden und hatte bereits Fuß gefasst. Während des Aufenthaltes der Schülergruppe arbeitete Bernd Buchholz sowohl in der Austauschklasse des Colegio Filadelfia sowie in Kursen des Institutes für Lehrerbildung in Filadelfia, in welchen Berenike Hoffmann-Nohl (Fachschaftsberaterin für Deutsch im Chaco, Paraguay) unterrichtet.

Die Resonanz war durchweg positiv, wenn auch das Bewusstsein klar war: Es ist noch viel zu tun. Als Bernd Buchholz dann jedoch im März dieses Jahres, also 2012, gemeinsam mit Bernd Gockel, ebenfalls vom Instituto Ballester, tatsächlich zur Fachleitertagung in Asunción angereist kam, schien der Gedanke an südamerikanische Wettbewerbe im Debattieren und im Poetry Slam schon nicht mehr ganz so abwegig.

Und tatsächlich: Die Lehrer ließen sich in den Workshops von der Begeisterung der beiden anstecken. Etliche von ihnen trugen die Idee in ihre Schulen und begannen, mit ihren Schülern zu debattieren und zu slammen – etwas, das es in dieser Form an den Schulen vorher nicht gegeben hatte.

Die Reaktion auf die Ausschreibung der Wettbewerbe überraschte selbst die idealistischen Bernds – mit derart vielen Anmeldungen hatten sie nicht gerechnet.

Reise nach Buenos Aires

So flog denn eine große Gruppe paraguayischer Schüler (zwei von der Goethe-Schule Asunción, zwei vom Liceo Tres Palmas, drei von der deutschen Schule Volendam, 4 vom Colegio Aleman Concordia Asunción, vier vom Colegio Filadelfia, zwei vom Colegio Neuland, vier vom Colegio Loma Plata, zwei vom Colegio Neuhof und zwei vom Centro Educativo Lolita) in Begleitung von zwei Lehrerinnen und den beiden Fachschaftsberaterinnen vom 18. bis 21. Oktober 2012 nach Buenos Aires zu den ersten südamerikanischen Wettbewerben im Debattieren und im Poetry Slam. Etliche von ihnen waren noch nie geflogen, geschweige denn in Buenos Aires gewesen und schon gar nicht hatten sie sich je solch großen, internationalen Herausforderungen gestellt – da war die Aufregung dann schon riesig!

Am Tag der Ankunft lernten sie ihre Gastfamilien kennen, die sie für diese Tage aufnahmen. Der 19. Oktober war einer Stadtrundfahrt durch Buenos Aires und einem gemeinsamen Grillfest vorbehalten, so dass die Schüler einander kennenlernen und ein wenig Fremdheit abbauen konnten.

Tag der Wettbewerbe

Und dann kam der große Tag der Wettbewerbe: Am Morgen sah man im Foyer der Schule überall Schüler mit ihren Zetteln vor sich hin murmeln, halblaut skandieren oder sich an der Tischtennisplatte ablenken. Dann ging es los: 65 Schüler von 25 Schulen aus Argentinien, Chile, Ecuador und Paraguay debattierten und slammten vor Jury und Publikum. In mehreren Vorrunden wurden die Besten ausgewählt, die sich dann im Finale auf der großen Bühne beweisen mussten. Mit teilweise überwältigender Sachkunde, Argumentationsfähigkeit und Überzeugungskraft debattierten die Finalisten zum Thema: „Sollte die Anzahl der Autos auf eines pro Familie beschränkt werden?“. Und die Slammer hauchten, flüsterten, brüllten, spielten, lebten ihre selbst geschrieben Texte so intensiv, dass sie das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinrissen.

Für die Schüler, auch für diejenigen, die nicht die Endrunden erreicht hatten, waren diese Tage eine einmalige Erfahrung.

Wir danken den beiden Bernds für diese großartige Initiative, die in den kommenden Jahren fortgesetzt werden soll und sicher immer weitere Kreise ziehen wird.

Begeisterte Schülerinnen und Schüler

Kommentare einiger Schüler, notiert vor dem Rückflug nach Asunción gegen ein Uhr morgens auf dem Flughafen Buenos Aires:

„Ich fand, es war eine tolle Gelegenheit, ein anderes Land und vor allem auch neue Leute kennenzulernen.“

„Es war sehr gut organisiert.“

„Mir gefiel, dass wir noch eine Stadtrundfahrt gemacht haben und so etwas von Buenos Aires sehen konnten.“

„Es war so eine familiäre Stimmung da, während der Wettkämpfe. Man freute sich für die, die weiterkamen und umarmte sie, als ob man sich schon immer kannte.“

„Ich hab viel Neues dazugelernt und festgestellt, in welchen Punkten ich mich verbessern kann.“

„Ich mochte, dass alle so offen waren.“

„Ich hab´s einfach genossen, auch wenn ich jetzt total müde und erschöpft bin.“

„Ich fand es total cool, es ist das erste Mal, dass wir sowas mit unserer Schule gmacht haben.“

„ Ich fand´s großartig…. wir haben dort alle Spaß gehabt und neue Leute kennengelernt.“

Datum: 14.11.2012
Quelle: Birgit Bettin, Berenike Hoffmann-Nohl, Joela Sawatzky, Uta Schröder (Paraguay)

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