Archiv 2012

Saubere Energie und mediterranes Klima im „Tomorrow-Land“


Viertes PASCH-Projekt in Mexiko: 40 junge Deutschlerner entwerfen ein ideales Land für Investoren und stärken dabei ihre interkulturellen Kompetenzen.

Puebla. Stell dir vor, du bist mexikanischer Unternehmer, der mit deutschen Arbeitskräften ein komplettes Automobilwerk in der Fremde hochziehen möchte. Oder: Versetz Dich in die Lage eines Staatschefs, der multinationale Investoren für sein Land gewinnen möchte. Was wird für solche Manager wichtig sein? Diese Fragen und Szenarien diskutierten 40 junge Deutschlerner beim vierten nationalen PASCH-Projekt an der Deutschen Schule Puebla. Das Thema: „Interkulturelle Kompetenzen in einer globalisierten Arbeitsgesellschaft“.

„Wenn man in ein anderes Land kommt, ist plötzlich alles anders“, sagt Rogelio Melo. „Wer sich dessen als Unternehmer bewusst ist, kann teure Fehler vermeiden, wenn er eine Aktivität in einem anderen Kulturkreis beginnt.“ Im Workshop hat der 18-Jährige im BVB-Trikot, der nach dem Abi an der TU Aachen oder der TU Dortmund Maschinenbau studieren möchte, mit Jugendlichen aus seiner und den anderen zwölf PASCH-Schulen, die die Bundesrepublik in Mexiko unterstützt, über Standortfaktoren diskutiert, die Wechselwirkung von Infrastruktur, Lebensqualität und Arbeitseffektivität vermessen und schließlich das Szenario eines idealen Investorenlandes entworfen. „Wir haben dieses Land PASCH-Land genannt, denn auch wir haben beim Partnerschultreffen optimale Bedingungen vorgefunden.“

Beispielhafte Kooperation

Beispielhaft beim mexikanischen PASCH-Projekt ist gewiss die gute Kooperation: Diana Petermann vom Goethe-Institut und Dieter Jaeschke, Mexiko-Koordinator der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), organisierten das viertägige Treffen von der Hauptstadt aus, vor Ort halfen Birte Bartje von der Deutschen Schule Puebla und Angélica Piceno vom VW-Sprachengymnasium Puebla. Familien aus beiden Schulen beherbergten Gastschülerinnen und Gastschüler sowie die begleitenden Lehrkräfte. Volkswagen Mexiko organisierte eine Führung im größten Automobilwerk Lateinamerikas und beteiligte sich gemeinsam mit der deutschen Botschaft an der Finanzierung des Teams der Workshopleiter um Diana Taube aus dem „Volkswagen-Institut“.

Deutsche Sprache immer wichtiger

Nach Artenschutz, Theater und Literatur, den Themen der Vorjahre, nun also Wirtschaft. „Die deutsche Sprache wird im Großraum Puebla immer wichtiger“, sagte Marko Foitzik, deutscher Honorarkonsul in Puebla, bei der Präsentation der Schülerarbeiten. „Neben VW gibt es viele Zuliefererfirmen, die mit Deutschland Geschäfte machen, und künftig wird auch Audi in Puebla produzieren.“ Deutsch ist auch das gemeinsame Band der Schülerinnen und Schüler, die nicht nur an den Deutschen Auslands- und Sprachdiplomschulen, sondern auch an öffentlichen mexikanischen Schulen Deutsch lernen. „Im Idealfall erwachsen hier neue Freundschaften“, hofft Dr. Wolfgang Jakobi, Leiter der Deutschen Schule Puebla, der gern die Räumlichkeiten für das PASCH-Schultreffen zur Verfügung gestellt hat. Übergreifendes Ziel eines jeden PASCH-Projektes ist nämlich das bessere Kennenlernen und die Vernetzung der Schüler untereinander – auch über regionale und soziale Gegensätze hinweg. „Gerade in Mexiko, immerhin sechsmal so groß wie Deutschland, ist die Schülerschaft der PASCH-Schulen sehr heterogen“, erklärt ZfA-Fachberater Dieter Jaeschke. So war es auch diesmal eine Herausforderung, die Teilnehmer aus Mexiko-Stadt, Guadalajara, Puerto Vallarta, den Mennonitenkolonien in Chihuahua, Cuernavaca, Pachuca, Tijuana und Puebla an einem verlängerten Wochenende zusammenzubringen.

Sich gegenseitig motivieren

„Die Sprachkenntnisse in der gesamten Gruppe sind schon sehr unterschiedlich“, hat Julia Gugerli Lazos (17) von der Schweizerschule festgestellt. „Mir hat aber sehr gut gefallen, dass diejenigen, die noch nicht so fit sind in Deutsch, von den anderen immer wieder motiviert worden sind, weiter Deutsch zu sprechen – und eben nicht ausgegrenzt wurden.“ Interkulturelle Basiskompetenzen sind bei den Teilnehmern offenbar schon vorhanden. Ein Gespür für andere Mentalitäten zu entwickeln, sich in die Denkweise des Anderen hineinzuversetzen, das macht diese moderne Kernkompetenz aus. Bei der Abschlusspräsentation überzeugte die Gäste übrigens Julias Gruppe mit ihrem Entwurf des Investorenparadieses „Tomorrow-Island“: Eine Insel mitten im Atlantik mit unterirdischen Tunneln und gleich weiten Wegen nach Europa und Amerika. „Auf der Insel wird mit Solarzellen und Windrädern ökologisch Energie gewonnen“, erklärt Julia. „Und das Wetter ist ganzjährig mediterran. Damit sich die deutschen Mitarbeiter wohlfühlen …“

Datum: 09.10.2012
Quelle: ZfA Mexiko

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