Archiv 2012

Schreiben wie die Profis – Der Schülerzeitungsworkshop in Nairobi


„In einer Sekunde wir sind da, in fünf Minuten am Telefon, in dreißig Minuten im Internet …“. 20 PASCH-Schülerinnen und –Schüler aus ganz Ostafrika übten sich in einem einwöchigen Workshop im Juli im journalistischen Schreiben auf Deutsch und der Produktion einer eigenen Online-Schülerzeitung.

Wie kommen journalistische Artikel in Zeitungen zustande? Welche Textformen gibt es überhaupt? Und warum ist die Auswahl der Bilder gerade in Online-Zeitungen so wichtig? Diesen und anderen spannenden Fragen gingen die deutsche Journalistin Christina Kufer und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Schülerzeitungsworkshops in Nairobi nach. Qualifiziert hatten sich die jungen Autorinnen und Autoren durch einen Online-Schreibwettbewerb in der PASCH-Schülerzeitung BOOM.

Am Anfang des Workshops erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler zusammen mit Christina Kufer die verschiedenen journalistischen Grundfertigkeiten: von der Kurznachricht über den Kommentar bis hin zur umfassenden Reportage. Auch die Besonderheiten von Print- und Onlinezeitungen sowie Themen wie die Organisation einer Schülerzeitung oder Verantwortung im Journalismus waren wichtige Programmpunkte der ersten zwei Workshoptage.



Bereits am ersten Tag konnten bei praktischen Übungen die neu erlernten Fertigkeiten auf die Probe gestellt werden, so zum Beispiel bei der Verfassung von griffigen Überschriften oder der Erstellung einer Fotoreportage. Am besten schien den Schülerinnen und Schülern aber das Rollenspiel zu gefallen. Dabei sollten sie eine Redaktionssitzung nachspielen und die Ausgabe einer fiktiven Schülerzeitung planen: Chefredakteure, Reporter, Fotografen – schnell waren die Rollen vergeben und alle waren hochmotiviert, um gemeinsam im Team das Schülerzeitungs-Projekt voranzutreiben.

Besuch bei Ostafrikas größter Tageszeitung

Nach den vielen theoretischen Informationen und den ersten praktischen Versuchen, war es an der Zeit den Profis über die Schulter zu blicken und eine professionelle Zeitungsredaktion von innen kennenzulernen. Die Nation Media Group ist die größte unabhängige Nachrichtenagentur in Ostafrika. Zu ihr gehören Tageszeitungen wie die Daily Nation oder Taifa Leo, aber auch mehrere TV-Kanäle. Den Ausflug in das Nation Media Building im Herzen Nairobis erwarteten die Schülerinnen und Schüler mit Spannung. Kaum angekommen, fragten sie den Redakteur Löcher in den Bauch. Nation-Reporter John Muchiri wurde dem Erklären und Zeigen nicht müde und gab den Schülerinnen und Schülern folgenden Ratschlag mit auf den Weg: „Ein Journalist zu sein erfordert Leidenschaft – es muss vom Herzen kommen. Ihr könnt euch die Risiken vorstellen, die ein Journalist im Kauf nehmen muss, um die Story da draußen zu bekommen. Es macht aber Spaß und ist spannend ein Journalist zu sein, denn man trifft Menschen aus der ganzen Welt.“


Von wilden Elefanten und zutraulichen Freiwilligen

Wie aufregend das Schreiben einer Reportage sein kann, merkten die Schülerinnen und Schüler spätestens beim Besuch des Daphne Sheldrick Elephant Orphanage am darauffolgenden Tag. Die Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer bestaunten nicht nur die Fütterung der Baby-Elefanten, sondern interviewten den Tierpfleger, schossen Fotos von der Fütterung und recherchierten Hintergrundinformationen im Internet, um später selbst eine Reportage über das Elefanten-Waisenhaus zu schreiben. Andere Gruppen recherchierten über das Stadtleben Nairobis oder interviewten die Kulturweit-Freiwilligen Lotte Barthelmes und Patricia Schäfer. Heraus kamen dabei persönliche Einblicke, unerwartete Perspektiven und informative Berichte der ostafrikanischen Deutschschülerinnen und Deutschschüler, die auf dem Schülerzeitungs-Blog BOOM gelesen werden können.

Freunde der Mehrsprachigkeit

Das Ziel des Workshops, junge Deutschlerner für die Produktion eigener Texte für die Schülerzeitung BOOM zu motivieren und die Voraussetzung für die selbständige Arbeit der Redaktionsteams an den PASCH-Schulen in Ostafrika zu schaffen, war schnell erfüllt: Es handelte sich bei dem Gelernten, wie der Workshop-Teilnehmer Mark Benjamin aus Uganda am Ende der Workshopwoche sagte, um „wahrhaft inspirierenden Stoff!“. Aber genauso wichtig war es für die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer neue Freunde aus ganz Ostafrika zu treffen und andere Kulturen kennenzulernen. So ist BOOM, das bilinguale ostafrikanische Online-Magazin, auch ein Medium gelebter Mehrsprachigkeit: Neben Deutsch als Verständigungssprache tauschten sich die Schülerinnen und Schüler aus den fünf ostafrikanischen Ländern auf Englisch, Französisch und Kisuaheli aus und zeigten, dass nicht nur die Themen, über die sie auf BOOM schreiben ein wesentlicher Bestandteil ihrer Identität sind, sondern auch der vielsprachige Hintergrund und das Umschalten zwischen den verschiedenen Mutter- und Landessprachen.

Datum: 23.07.2012
Quelle: Goethe-Institut Nairobi
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