Archiv 2012

SehenLernen: Deutsches Kino macht Schule


Im Schülerworkshop und Lehrerseminar „SehenLernen: DEUTSCHES KINO MACHT SCHULE“ haben 140 Schüler der argentinischen FIT-Schulen Mater Ter Admirabilis und der Deutschen Schule Moreno, der chilenischen FIT-Schulen Instituto Nacional und Jugendlandschule und der paraguayischen FIT-Schulen Colegio Nacional de Asunción und Iberoamericano, der DSD-Schule Concordia sowie mehr als 100 Lehrerinnen und Lehrer von PASCH-Schulen und Pädagogen spannende deutsche Filme gesehen und dadurch vielseitige Eindrücke über das Leben in Deutschland gewonnen.

Filmemacher aus Argentinien, Chile, Deutschland, Mexiko und Uruguay standen ihnen dabei tatkräftig zur Seite. Die Workshops und Lehrerseminare fanden im Mai 2012 am Goethe-Institut Buenos Aires, am Instituto Nacional de Santiago de Chile und an der Universidad Iberoamericana in Asunción in Paraguay statt.

Interdisziplinär und überregional zugunsten von „mehr Freiheit, Wissen, Toleranz und Solidarität“

In den nächsten Monaten werden Filmemacher gemeinsam mit den Lehrern an PASCH-Schulen Schülerworkshops und Lehrerseminare zu den insgesamt bisher neun in der Filmreihe „SehenLernen“ bearbeiteten Filmen durchführen.
Die Workshops und Lehrerseminare „SehenLernen: DEUTSCHES KINO MACHT SCHULE“ in Buenos Aires, Santiago de Chile und Asunción stärkten die überregionale Zusammenarbeit der beteiligten lateinamerikanischen Länder im Bereich Film. Lehrer verschiedener Fachbereiche und Schüler hatten die Gelegenheit sich zu vernetzen und durch diesen bereichernden Austausch die eigenen Perspektiven der Wahrnehmung zu hinterfragen:

„Das Lernen einer Sprache bedeutet auch sich selbst besser kennenzulernen und ist außerdem eine Möglichkeit, auch andere Ansätze zum Sein und Denken zu erhalten. Eine Sprache zu lehren ist der perfekte Anlass, um ein interdisziplinäres Treffen wie das von PASCH organisierte zu veranstalten. Eben das verleiht uns mehr Freiheit, Wissen, Toleranz und Solidarität. Herzlichen Glückwunsch!“
(Washington Neira beim Workshop und Lehrerseminar „SehenLernen“ in Santiago de Chile)

„Ich bin sehr dankbar dafür, die Chance gehabt zu haben, an diesem wunderbaren Seminar teilzunehmen, außerdem dafür, dass ich diese Erfahrung mit Kollegen aus anderen Fachbereichen teilen konnte. Ich würde gerne dieses Erlebnis noch einmal wiederholen. Danke für alles!“
(María Pontigo, Englischlehrerin am Instituto Nacional in Santiago de Chile)

Während des Seminars gelang es den Schülern und Lehrern das Konzept des „Sehens“ zu überdenken und ein neues Verständnis zu entwickeln. Denn sowohl beim Sehen, als auch bei der Auseinandersetzung mit einem Film ist es notwendig, sich ein zweites Mal kritisch mit seiner Aussage zu befassen, um diese zu begreifen. Dieser Schritt sei die Voraussetzung, so der argentinische Regisseur und Dokumentarfilmer Lucas Ardanza, um die wesentliche Aussage eines jeden literarischen Werkes oder Films begreifen zu können und so einen kritischen Blick für Kunst und auch das tägliche Leben zu entwickeln.

Dieser hohe Anspruch der Veranstaltung „SehenLernen: DEUTSCHES KINO MACHT SCHULE“ konnte erfüllt werden, denn auch leidenschaftliche Kinoliebhaber gingen mit neuen Erkenntnissen und Fähigkeiten aus dem Seminar und konnten weitere Fähigkeiten erwerben, sich mit Filmen kritisch auseinanderzusetzen:

„Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich neue Menschen kennenlernen durfte und Situationen nun mit einem anderen Auge sehen und einiges über das Kino lernen konnte, das ich schon immer geliebt habe. Ungeduldig warte ich schon auf die nächste Gelegenheit, meine neugewonnenen Fähigkeiten anzuwenden. Vielen Dank und das Beste für die Zukunft an alle Verantwortlichen des Projekts.“
(Maria Angelica Monje aus Arica beim Workshop und Lehrerseminar „SehenLernen“ in Santiago de Chile)

Die Entdeckung des Anderen

Die Kultur und der Alltag eines Landes werden in Filmen künstlerisch dargestellt und wecken bei Jugendlichen daher ein besonderes Interesse: „Ich fand es ein sehr interessantes und kurzweiliges Seminar. Die Filmauswahl finde ich sehr gut, es sind aktuelle Filme, die auch an alltagsnahen Thematiken der Schüler anknüpfen“ sagt eine Lehrerin beim Workshop in Santiago de Chile.

Die Annäherung an die erzählerischen Strukturen des europäischen Kinos, genauer gesagt des deutschen Films, hat Schülern und Lehrern eine Möglichkeit geboten, sich mit allen Sinnen auf eine analytische Auseinandersetzung einzulassen. Typische Konsumgewohnheiten in Argentinien, Chile und Paraguay orientieren sich oftmals und üblicherweise an Filmproduktionen aus den USA. So stand die Auseinandersetzung mit dem deutschen Kino im genauen Gegensatz zu den gewohnten Erzählstrukturen des nordamerikanischen Kinos, das auf andersartige Stile, Zeitwahrnehmungen, Horizonte und Erfahrungen schließen lässt.

Kino als Kunst und kulturelle Ausdrucksform

Die Kultur und der Alltag eines Landes werden in Filmen künstlerisch dargestellt und wecken bei Jugendlichen daher ein besonderes Interesse. Filme entführen uns in Welten, die uns ähnlich sein können oder auch völlig fremd. In den spannenden und berührenden Geschichten der Filme erkennen sich die Schüler wieder und nehmen dadurch ihre Umgebung bewusst wahr.

Neugierig werden dabei die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der eigenen und anderen Kulturen entdeckt. Dabei lernen die Schüler und Lehrer auch die filmischen Stilmittel kennen, die Regisseure gekonnt einsetzen, um die Zuschauer Teil der Geschichte werden zu lassen: Kameraperspektive, Beleuchtung, Farbauswahl, Drehbuchgestaltung sowie die Art und Weise Schauspieler zu führen, Bilder in Szene zu setzen und mit bestimmter Musik zu unterlegen. In enger Zusammenarbeit mit den anwesenden Filmemachern machen die Teilnehmenden die besondere Erfahrung, die vielfältige Filmkultur zu spüren sowie deren Stilmittel einzuordnen und zu bewerten. Die deutschen Kinofilme sind daher ein persönliches Erlebnis beim Schülerworkshop und Lehrerseminar „SehenLernen“:

„Eine bereichernde Erfahrung! Ich fand es sehr schön, dass so viele Schüler so engagiert mitgemacht haben und dass es ein Dialog auf Augenhöhe war. Außerdem hat der technische Aspekt meine Wahrnehmung erweitert. Und mir hat die freie Herangehensweise (keine Arbeitsblätter, keine Aufgabe während des Films!) sehr gut gefallen! Das hätte ich mir als Schüler auch immer gewünscht! Gracias!“
(Johanna Strasser, kulturweit-Freiwillige, Jugendlandschule Talagante)

Einblicke in den deutschen Alltag

Filme sind oft Geschichten, die das Leben schreibt. Sie sind Ausschnitt des täglichen Lebens einer Kultur und manchmal findet man sich selbst im Gefühlsleben der Hauptpersonen wieder. Die deutschen Kinofilme wecken daher reges Interesse bei den Schülern, sich mit dem Leben in Deutschland auf unterschiedliche Arten auseinanderzusetzen und zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu unterscheiden. Durch die vielfältigen Geschichten wirkt deutsches Kino als wirksamer Botschafter und die Teilnehmenden erhalten wesentliche Einblicke in das alltägliche Leben in Deutschland. Die Filme Vincent will meer, Die Blindgänger und Neukölln unlimited, die für das Seminar ausgewählt wurden und den Schulen zur Verfügung stehen, thematisieren einige aktuelle Probleme in Deutschland. Viele der Lehrer und Schüler haben nun zum ersten Mal die Möglichkeit, Filme auf eine neue Art zu sehen und zu begreifen, wobei eine kritische Betrachtung und Analyse erweiterte Kompetenzen zum Verständnis erfordern:

„Ich begrüße dieses Seminar zur Annäherung an den Gegenstand Kino sehr im Bezug auf den Unterricht und die Vermittlung der deutschen Kultur. Alles war sehr gut organisiert und die Programmpunkte waren sehr interessant. Ich hoffe, dass ich das auch an anderen Orten, bei anderen Gelegenheiten wiedergeben kann. Glückwunsch!“
(Lehrerin beim Workshop „SehenLernen“ in Santiago de Chile)

Lehrerseminar „SehenLernen“

Durch das Projekt „SehenLernen: DEUTSCHES KINO MACHT SCHULE“ erhalten die Lehrer der PASCH-Schulen die notwendigen Werkzeuge, um gemeinsam mit ihren Schülern das bewusste Sehen zu lernen. Das Angebot umfasst von Filmemachern und Filmpädagogen durchgeführte Workshops für Schüler, bei denen die Lehrer als stumme Zuschauer fungieren und anschließende Fortbildungsseminare für Lehrer, eine Auswahl an deutschen Filmen für unterschiedliche Altersgruppen mit spanischen Untertiteln sowie Begleithefte auf Spanisch mit Informationen und Übungen zu jedem Film.

Mit diesem Fortbildungsangebot gelingt es einerseits Lehrern und Lehrerinnen unterschiedlicher Fachrichtungen, die an PASCH-Schulen unterrichten, auf der Grundlage einer Auswahl deutscher Filme, den Alltag in Deutschland, die kulturellen Identitäten seiner Bewohner und deren Lebenswelten mit all ihren Eigenheiten und Problematiken näher zu bringen, deutschen Humor zu vermitteln und Verständnis für kulturelle, religiöse und ethnische Unterschiede zu wecken. Andererseits können die Deutschlehrer ihren Themenkatalog im Bereich Landeskunde erweitern und aktualisieren und Medienkompetenzen zum Thema Kino aufbauen und vertiefen.

Für die Lehrer hat sich dieses Material als äußerst hilfreich erwiesen, um deutsche Filme zukünftig verstärkt in den Unterricht zu integrieren:

„Für mich war es eine außergewöhnliche Erfahrung. Ich habe viel gelernt, unter anderem, eine bessere Lehrerin zu sein. Ich finde, es ist eine sehr interessante Herangehensweise zur Anwendung im Unterricht und um Lernerfolge bei den Schülern zu erzielen. Danke!“
(Marta Chávez der Jugendlandschule Talagante beim Lehrerseminar „SehenLernen“ in Santiago de Chile)

„Ich möchte mich für diese tolle Gelegenheit, etwas Neues zu lernen, bedanken. Ich denke, dass es für uns Lehrer sehr gut ist, mit anderen audiovisuellen Medien zu arbeiten, um unseren Unterricht interessanter zu gestalten.“
(Lehrer beim Lehrerseminar „SehenLernen“ in Santiago de Chile)

Darüber hinausgehend stiftete das Lehrerseminar „SehenLernen“ Motivation zur zukünftigen Durchführung von Filmprojekten und stellte anwendungsbezogenes Material zur Verfügung:

„Ich wollte bereits in meinen Unterricht deutsche Filme einbeziehen, bin allerdings an der sprachlichen Barriere meiner Schüler gescheitert und wusste diese nicht zu umgehen, da ich keine untertitelten Filme habe. Es sind manchmal sehr kleine Dinge, an denen die Umsetzung von Projekten scheitert... Vielen Dank für die aktuelle Auswahl der Filme und die gute Bewirtung!“
(Lehrerin beim Lehrerseminar „SehenLernen“ in Santiago de Chile)

„Ich fand das Projekt auch sehr schön. Es hat mir einen ganz neuen Blickwinkel auf die Wirkung von Filmen gegeben. Jetzt habe ich das Wissen, um ein Filmprojekt mit den Schülern machen zu können. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Es sollte mehr Projekte solcher Art für die Schüler geben.“
(Lehrer beim Lehrerseminar „SehenLernen“ in Santiago de Chile)

Auch die Vermittlung von Methoden zur Integration von Filmen in den alltäglichen Unterricht kam beim Lehrerseminar „SehenLernen“ nicht zu kurz: Für die Lehrer wird die altersspezifische Bearbeitung dieser Themen im Unterricht dadurch erleichtert und auch die Schüler profitieren von der intensiven Wahrnehmung der Themen durch das Medium Film:

„Es war eine sehr interessante Austauscherfahrung für mich, die dennoch genügend Freiraum lässt, um über weitere neue Arbeitstechniken nachzudenken (die zum Glück, wie wir heute gelernt haben, Spaß nicht ausschließen).“
(Florencia Wortman aus San Juan, Argentinien)

„Das Seminar war sehr interessant und zeigte Möglichkeiten, Filme in den Schulunterricht einzubinden. Auch der kulturelle und fächerübergreifende Austausch zwischen den Lehrern trug zur interessanten und motivierenden Gestaltung des Seminars bei. Eine sehr schöne Erfahrung!“
(Mónica Pino des Instituto Nacional in Santiango de Chile)

Der Erfolg der ersten Filmreihe 2011 innerhalb des Projekts „SehenLernen“ an den FIT-Schulen in Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay mit Filmen wie Wahrheit oder Pflicht, Die Welle, Pünktchen und Anton zeigt, dass die Schüler der PASCH-Schulen das Angebot dankbar annehmen und gemeinsam mit ihren Lehrern und Lehrerinnen Sehen lernen und dass das Diskutieren über Filme sich über die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema hinaus um die erworbenen Kenntnisse zu Kameraführung, Schnitttechnik, Ton und Ausstattung, Musik und Kostüm erweitert.

Nichts ist zufällig im Film und Sehen will gelernt sein.

Datum: Mai 2012
Quelle: Goethe-Institut Buenos Aires, Ines Patzig-Bartsch

PASCH-net und Social Media