Archiv 2011

Exzellenz-Initiative: Digitaler Unterricht an Deutschen Schulen im Ausland

Die Verzahnung zwischen Wirtschaft, Politik und zukünftigen Fachkräften aus dem Ausland ist für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik elementar. Auf dem Bildungsfest wurde darüber debattiert.

Vor diesem Hintergrund hat Staatsministerin Pieper die "Exzellenz-Initiative innovatives Lernen" ins Leben gerufen, um das digitale Lernen an Deutschen Auslandsschulen zu fördern, bei den Schülerinnen und Schülern das Interesse für technisch-naturwissenschaftliche Fächer zu wecken und unternehmerisches Denken sowie interkulturelle Kompetenzen zu fördern. Ziel der Initiative ist, über einen Ideenwettbewerb innovative und kreative Projekte an Deutschen Auslandsschulen zu identifizieren und diese Schulen zu "Exzellenzzentren innovativen Lernens" aufzubauen. Die fünf Preisträger kommen aus Japan, Ecuador, Spanien, Argentinien und Peru und überzeugten die Auswahlkommission mit ihren innovativen Projektideen.

Krisenmanagement in Tokyo: wie eine Schule die Katastrophe gemeistert hat

Durch die Mehrfachkatastrophen des 11. März 2011 und deren Folgen wurde die Deutsche Schule Tokyo Yokohama in ihren Grundfesten erschüttert. „Es ging vor allem darum, mit unseren Schülern auf der ganzen Welt Kontakt zu halten. Über Facebook, per Mail und mit Hilfe meiner privaten Homepage haben wir aus der eigenen Not ein Lernkonzept für Krisenzeiten entwickelt“, erklärt Philipp Wehmann, ehemaliger Lehrer an der Deutschen Schule in Yokohama. Die Schüler waren mit ihren Familien in andere Gebiete Japans oder ins Ausland ausgewichen. Außerdem musste ein vollständiger Abiturjahrgang mit Schülern verschiedener Nationalitäten durch die Prüfungen manövriert werden. „Die Abiturienten wurden für fünf Wochen nach Köln geflogen und haben ihren Abschluss dort alle erfolgreich beendet.“ Der junge Lehrer hat in dieser Zeit mit den Schülern zusammen gewohnt, gelernt und gelehrt. „Diese Erfahrung hat uns als Schule sehr geprägt und wir möchten die gewonnen Erkenntnisse mit dem Projekt an andere Schulen in potentiellen Krisengebieten weitergeben“, so Andreas Wintersohl, der im damaligen Krisenstab der Schule tätig war. Dazu soll eine digitale Plattform für die Unterrichtsversorgung aufgebaut werden, mit der im Falle einer langwierigen Krise der Unterricht dezentral fortgeführt und die Kommunikation aufrechterhalten werden kann.

Lernen durch Lehren: Oberstufenschüler unterrichten ihre jüngeren Mitschüler

Bei dem Projekt der Deutschen Schule Málaga sollten Schüler der Klassenstufe 12 im Fach Erdkunde Unterrichtsinhalte für jüngere Schüler der Klassen 9 und 10 mit Hilfe neuer Medien didaktisch aufbereiten und vermitteln. Dirk Munthin ist Lehrer und Initiator des Projektes an der Deutschen Schule in Málaga: „Die Ziele unsere Projektes sind, die Medienkompetenz aller Schüler zu erhöhen und ihnen gleichzeitig eine innovative Form des Unterricht anzubieten.“ Die älteren Schüler sind dabei sowohl Lehrende für die jüngeren Schüler als auch Lernende, was den Umgang mit digitalen Unterrichtsmethoden und -inhalten angeht. „Dabei vermitteln die Schüler sich die Inhalte auf Augenhöhe und in ihrer eigenen alterspezifischen Sprache.“

Individuelles Lernen mit Moodle

„Lernpep mit Web“ heißt das Projekt der Deutsche Schule Quito. Mit dem Einsatz der Lernplattform Moodle möchte die Schule im Bereich der individuellen Förderung neue Wege gehen. Die Klassen sollen in Leistungsgruppen getrennt arbeiten und auch bei den Hausaufgaben individuell gefördert werden, indem auf der Lernplattform Aufgaben mit verschiedenem Schwierigkeitsgrad angeboten werden. „Wir setzen dieses Konzept im Fach Deutsch als Fremdsprache schon seit einem Jahr ein“, sagt Bettina Schätz de Arroyo, Lehrerin an der Deutschen Schule in Quito. Besonders für Schüler im Praktikum sei das Projekt ein wichtiger Bestandteil des Deutschunterrichts, um die Sprache kontinuierlich zu üben. Schulleiter Hans-Joachim Czoske freut sich über die Auszeichnung: „Der Preis motiviert uns, das Projekt weiterzuentwickeln und auf andere Schulfächer zu übertragen.“ Derzeit wird das Konzept in den Fächern Deutsch und Mathematik erprobt. Die Mathematik-Lehrerin Evelyn Castro ist besonders von der Kooperation zwischen deutschen und Lehrern aus Ecuador begeistert: „Wir arbeiten eng zusammen und bringen die Meinungen und Erfahrungen aus den beiden Kulturkreisen zusammen in das Projekt ein. Das funktioniert wunderbar!“ Weitere Preisträger waren die Deutsche Schule in Lima mit einem Konzept für Naturwissenschaftlich-technisches Lernen im Kybernetik-Labor und das Berufsbildende Zentrum der Deutschen Schule in Buenos Aires mit einem Kompetenzzentrum Wirtschaft.

13.09.2011
Quelle: Auswärtiges Amt

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