Archiv 2011

Mädchen spielen Fußball? – Na klar!

Fußball ist Männersport – so wird in Ägypten oft gedacht. Dass sich aber auch Mädchen für diesen Sport begeistern können, hat das zweitägige PASCH Fußball-Camp eindrucksvoll bewiesen.

Das Goethe-Institut Kairo lud 30 Kinder aus ganz Ägypten zum Fußball-Camp in den Sakkara Palm Club ein. Die Schülerinnen und Schüler der Partnerschulen im Alter von 10 bis 13 Jahren freuten sich schon seit Wochen auf die beiden Tage. Das PASCH-Team hatte sich für das Wochenende ein wirklich tolles Programm überlegt: wichtigste Aktivität war natürlich der Fußball! Die Trainerinnen Wessam Osman und Mona Mikhail vom Wadi Degla Club hatten ein vielseitiges Trainingsprogramm für die Kinder entwickelt – keine leichte Aufgabe, bei Jungs und Mädchen, die sehr viel Begeisterung, aber nicht so viel Vorkenntnisse mitbrachten.

„Und wann spielen wir denn endlich richtig?“

So lag es den beiden Trainerinnen besonders am Herzen, den Kinder Spaß an der Bewegung und am Spiel mit dem Ball zu vermitteln. Dribbling, schnelles Stoppen und Elfmeterschießen waren nur einige der Übungen, um die jungen Sportlerinnen und Sportler für den Fußball zu begeistern. Und die Begeisterung ließ nicht lange auf sich warten! „Wann spielen wir denn endlich richtig?“ war wohl die meistgestellte Frage am ersten Tag. Am frühen Sonntagmorgen war es dann soweit – die ersten Sonnenstrahlen kommen gerade durch die Palmen am Spielfeldrand, als es endlich heißt: Mädchen-Team gegen Mädchen-Team, Jungen gegen Jungen! Trainerin Wessam macht deutlich, dass es gerade zu Beginn wichtig ist, zu motivieren: „Mädchen sind zierlicher und haben weniger Spielerfahrung als die Jungs. Wir möchten, dass auch sie richtig zum Spiel kommen, das geht nur gegen ein anderes Mädchen-Team.“ Die Taktik ging auf! Wer Mariam und Heiat von der City School in Sohag über den Platz fegen sah, konnte kaum glauben, dass die beiden erst seit 2 Tagen trainieren. Auch die beiden Trainerinnen zeigten sich begeistert, wie sehr sich gerade die Mädchen in den 2 Tagen verbessert hatten. Und die mitgereisten Sportlehrer – natürlich auf der Seite „ihrer“ Jungs – mussten ehrlich zugeben „Das Niveau der Mädchen hat sich enorm gesteigert!“

Kopftuch oder Badekappe?

Noch während Lehrer Khaled sein Urteil über die Leistungen seiner Schülerinnen abgibt, hört man schon ein Platschen und Lachen – neben dem Fußball ist definitiv der große Pool des Palm Clubs die Attraktion! Keine Frage, dass bei über 30 Grad im Schatten eine Abkühlung allen gut tut – auch denen, die eigentlich gar nicht beabsichtigt hatten, baden zu gehen: „Eigentlich wollte ich ja trocken bleiben – aber jetzt, wo ich eh nass bin, kann ich auch mit Kleidung in den Pool springen!“ ruft Deutschlehrerin Lamiaa lachend und stürzt sich auch schon ins kühle Nass – nicht ohne noch vorher schnell ihr Kopftuch gegen eine Badekappe auszutauschen. Während der Mittagshitze sammelten sich dann alle um Haitham, den Geschichtenerzähler, der aus den „Wilden Fußballkerlen“ vorlas. Wie immer, verstand er es auch hier wieder, Lernen und Spaß miteinander zu verbinden – nicht nur übten die Schüler ihre ersten (Fußball!-)Begriffe auf Deutsch, sondern bewiesen auch Teamgeist beim Turmbau mit Holzklötzen: „Unser Turm ist der höchste!“, „Aber unserer ist der schönste !“ hallte es von allen Seiten.

Tor für Deutschland!

Krönender Abschluss des Fußball-Camps war natürlich…. Fußball! Und nicht irgendein Fußballspiel sondern das Eröffnungsspiel der Frauen-Fußball-WM in Deutschland. Im Garten des Goethe-Instituts am Medan Messaha berichteten die Schülerinnen und Schüler dem deutschen Botschafter in Kairo und der Leiterin des Regionalinstituts begeistert über ihr Sport-Camp. Dann wurde auf großer Leinwand die Partie Deutschland gegen Kanada gezeigt. Natürlich waren alle auf der Seite der deutschen Mannschaft und jubelten bei jedem Tor lautstark mit! Mit dem Abpfiff (und natürlich einem Sieg der deutschen Mannschaft!) war dann das Camp endgültig zu Ende, auch wenn die meisten der jungen Fußballer gar nicht genug bekommen konnten: „Wann ist denn das nächste Camp?“, „Gibt es das jetzt jedes Jahr?“, fragten Kinder und Begleitlehrer gemeinsam.

05.07.2011
Quelle: Simone Jore, Goethe-Institut Kairo
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