Archiv 2011

„Jugend filmt Bionik“: Ostafrikanische PASCH-Schüler erforschen Analogien zwischen Natur und Technik

Vom Geparden zum Fahrstuhl, vom Termitenhügel zum Hausbau – die Natur hält unzählige Ressourcen für technische Erfindungen bereit.

In Nairobi gingen PASCH-Schüler der Frage nach, wie die biologische Vielfalt Ostafrikas für technische Innovationen genutzt werden kann, und drehten zwei Filme zu diesem Thema. Die Biologin Barbra schaut gespannt aus dem offenen Dach des Safari-Jeeps, der sich auf den holprigen Wegen des Nairobi National Park mühsam fortbewegt. Sie sieht Zebras, Löwen und schließlich einen Geparden, beobachtet ihn mit einem Fernglas und macht sich Notizen. Mit dieser Szene beginnt der erste von zwei Kurzfilmen, die 20 PASCH-Schüler/innen aus Kenia und Uganda im Juni im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend filmt Bionik“ in Nairobi gedreht haben.

Eine Querschnittswissenschaft

Bionik ist eine Querschnittswissenschaft, die biologische Prinzipien für die Entwicklung technischer Produkte und Materialen verwendet. Fliegen wie ein Vogel, schwimmem wie in Fisch oder klettern wie ein Gecko: zahlreiche Forschungseinrichtungen haben sich diesem Thema angenommen und entdecken immer neuere Verfahren zur bionischen Verbesserung des alltäglichen Lebens. Bereits am ersten Tag des PASCH-Workshops, den das Goethe-Institut Nairobi zusammen mit einem Expertenteam der futurevision gGmbH leitete, bekamen die Schüler/innen eine Ahnung davon, wie wertvoll die biologische Vielfalt in Ostafrika ist. Gemeinsam entwickelten sie zwei Ideen für Analogien zwischen Natur und Technik aus ihrer unmittelbaren Alltagswelt, erarbeiteten in Gruppen jeweils ein Drehbuch und setzten dieses filmisch um.

Termitenhügel und Gepard

Die erste Gruppe ging dem Phänomen von Termitenhügeln nach, die aufgrund ihrer besonderen klimaneutralen Eigenschaften für den Hausbau mit Lehm genutzt werden. Die zweite Gruppe beschäftigte sich mit dem schnellsten Lauftier der Welt: dem Geparden. Ein Gepard kann innerhalb von 3 Sekunden von 0 auf 90km/h beschleunigen, aber ebenso abrupt abbremsen. „Diese Eigenschaft muss man doch für Fahrstühle nutzen können,“ sagte eine der Schülerin und lieferte damit die inhaltliche Vorlage für den zweiten Film. Während des Workshops wurde aber nicht nur der Forscherdrang der Schüler/innen geweckt, sondern auch ihre Medienkompetenz durch die Arbeit mit der Filmkamera geweckt. Unter Anleitung eines professionellen Filmteams der futurevision gGmbH arbeiteten alle 20 Teilnehmer/innen vor und hinter der Kamera intensiv an der Umsetzung der einzelnen Szenen für ihren Kurzfilm, bis es am fünften Workshop-Tag zum letzten Mal „Und Action“ hieß.

„Jugend filmt Bionik“

Beide Kurzfilme werden nun beim Wettbewerb „Jugend filmt Bionik“ eingereicht. Eine Jury aus Vertretern von Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft wählt im Juli die besten Beiträge aus, die im Herbst 2011 bei einer Preisverleihung im Deutschen Museum in München offiziell ausgezeichnet werden. Doch der PASCH-Bionik-Workshop ist bereits vor der Preisverleihung ein voller Erfolg. „Die Beobachtung der Tiere war sehr spannend. Am meisten freue ich mich aber über die vielen neuen Freunde von den anderen PASCH-Schulen“, resümiert die 16-jährige Ivy aus Nairobi die zurückliegende Workshopwoche.

05.07.2011
Quelle: Sabine Brachmann, Goethe-Institut Nairobi
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