Archiv 2011

Vom Alltag einer Prozessbegleiterin: Pädagogisches Qualitätsmanagement in Athen

Seit 2008 ist Hiltrud Koch eine von zehn Prozessbegleitern, die im Auftrag der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) des Bundesverwaltungsamtes weltweit im Einsatz sind.

„Prozessbegleiterin für das Pädagogische Qualitätsmanagement – Hat das was mit Justiz zu tun?“ Gerade am Anfang wurde sie häufig mit solchen und ähnlichen Fragen konfrontiert. „Da die Aufgabe im Ausland völlig neu war, konnte sich kaum einer etwas darunter vorstellen“, erinnert sich Hiltrud Koch. Als Prozessbegleiterin für Südosteuropa unterstützt sie 16 Deutsche Auslandsschulen bei ihrer systematischen und nachhaltigen Qualitätsentwicklung. Auf Einladung der Schulen fungiert sie als unabhängige Beraterin für alle schulischen Gruppen, die ihre Schule weiter entwickeln wollen. Damit sind jedoch weder eine Kontrollabsicht noch ein schulaufsichtlicher Auftrag verbunden. Die Eigenverantwortlichkeit der Schulen steht klar im Vordergrund. „Manch eine Schule dachte zunächst vielleicht, auf diesen Service der Zentralstelle verzichten zu können. Inzwischen ist Prozessbegleitung eine überaus geschätzte Leistung der ZfA“, so die Pädagogin.

Ausgefeiltes Qualitätssystem

Um die Qualität und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen Auslandsschulen langfristig zu sichern, wurde seit 2003 ein ausgefeiltes Qualitätssystem entwickelt: Neben der Selbstevaluation in Schulen (SEIS+) und dem Besuch kritischer Freunde (Peer Review) wurde 2008 die von der ZfA organisierte Bund-Länder-Inspektion (BLI) eingeführt. Ziel ist es, die Stärken und das Verbesserungspotenzial der Schulen offen zu legen und an den Schwächen konstruktiv zu arbeiten. Bei erfolgreich verlaufener BLI erhalten die Schulen das vom Bundespräsidenten unterschriebene Gütesiegel „Exzellente Deutsche Auslandsschule“. Die Prozessbegleiterinnen und -begleiter unterstützen die Schulen bei diesen Entwicklungen

Die von Hiltrud Koch betreuten Schulen könnten dabei unterschiedlicher nicht sein. „Keine Schule gleicht der anderen“, sagt Koch, die an der Deutschen Schule Athen ansässig ist. „Es gibt Schulen mit 800 oder gerade mal 100 Schülern, welche mit langer Tradition und frisch gegründete. Manche Schulen entwickeln noch ihr Leitbild, während andere bereits die Ergebnisse der Bund-Länder-Inspektion produktiv umsetzen“, so die Prozessbegleiterin.

Allparteilichkeit, Verschwiegenheit, Rollenklarheit

Genau wie ihre Kollegen brachte auch Hiltrud Koch einen großen Erfahrungsschatz mit: Sie war zuvor u. a. als Inspektorin in der niedersächsischen Schulinspektion, in der Lehrerfortbildung und in der systematischen Schulentwicklung tätig. „Trotzdem musste ich als Prozessbegleiterin sozusagen einen ganz neuen Beruf erlernen“, sagt sie rückblickend. Anfangs hatte sie hauptsächlich mit Schulleitungen und Steuergruppen zu tun. „Es dauerte jedoch nicht lange, da baten Projekt- und Fachgruppen, Eltern- und Schülervertretung, der Lehrerbeirat, Vorstand, Verwaltungsleitung, Geschäftsführung und Vorstand um meine Unterstützung“, so Koch. Allparteilichkeit, Verschwiegenheit und Rollenklarheit sind dafür die notwendigen Voraussetzungen.

Das Themenspektrum ist dabei so unterschiedlich wie die Schulen selbst. Die Schulen kommen mit Fragen wie „Unsere Schulleitung ist neu zusammengewürfelt und wir würden gern im Team zusammenarbeiten. Könnten Sie uns helfen, dabei voranzukommen?“, „Welche Sprachstandstests verwenden denn andere Schulen?“ oder „Wir haben eine Krisensituation. Welche Wege sehen Sie?“ auf die Prozessbegleiterin zu. Gespräche, Workshops, Teilnahme an Sitzungen: Mit unterschiedlichen Methoden unterstützen Prozessbegleiter die Schulen. „Meist geht es darum Wege zu finden für die eigenen Ziele, manchmal auch darum zu klären, was denn das Ziel eigentlich sein soll“, so Koch.

Kernelement Vernetzung

Wichtig für ihre Arbeit ist nicht nur die Vernetzung unter den Schulen, die ähnliche Aufgaben und Problemstellungen haben, sondern auch der enge Austausch mit den anderen Prozessbegleitern. „Wir funktionierten auch über alle Internetgrenzen hinweg als Team. Regelmäßige Fortbildungen der ZfA tragen dazu bei, auslandsspezifischen Problemen besser begegnen zu können“, so Hiltrud Koch.

Nach drei Jahren an der Deutschen Schule Athen kehrt sie im August aus privaten Gründen in die niedersächsische Schulinspektion zurück. „Ich verlasse eine andere Schule als die, die ich vor drei Jahren kennengelernt habe und ich bin selbst eine andere als diejenige, die vor drei Jahren gekommen ist“, resümiert Hiltrud Koch. Vom 4. bis 7. Juli nimmt sie noch einmal an einer ZfA-Tagung für Prozessbegleiter in Köln teil. Dort werden nun die neuen Kolleginnen und Kollegen in den Erfahrungsaustausch einbezogen.

28.06.2011
Quelle: Zentralstelle für das Auslandsschulwesen

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