Archiv 2011

Internationales Jugendtheaterfestival in Schwäbisch Hall


Über Ostern waren Schüler des Theatercampus aus Albanien und aus Serbien Gast des 4. Internationalen Jugendtheaterfestivals der Stadt Schwäbisch Hall.

Noch einmal brachte das Goethe-Institut den Theatercampus Pogradec zusammen und schickte ihn nach Schwaben auf die Reise. Über Ostern waren Schüler des Theatercampus aus Albanien und aus Serbien Gast des 4. Internationalen Jugendtheaterfestivals der Stadt Schwäbisch Hall. Unter der Leitung von Stefan Neugebauer spielte die Truppe „Emil und die Detektive" nach Erich Kästner. Dramaturgie und schauspielerische Leistung erhielten den verdienten Beifall.

„Schon vor Ostern war der Theatercampus angereist, um die Spielstätte, das Globe Schwäbisch Hall in Besitz zu nehmen und zu proben. In der Stadt des Freilichttheaters und des Goethe-Instituts fehlte es weder an guten Beziehungen zur Festspielleitung unter dem Dramaturg Georg Kistner noch an Unterstützung. Der Originalnachbau des Globe stellte ganz andere Herausforderungen als geschlossene Bühnen. Ohne lautes artikuliertes Sprechen mit exakten Bewegungen zum Publikum hin ging nichts.

Mehrsprachigkeit auf der Bühne

Das war der Stoff, den die Proben abarbeiteten. Stefan Neugebauer indessen wusste wieder einmal, das ganze Theater für sein Spiel zu nutzen. Von allen Seiten schnellten Auf- und Abtritte auf die Bühne bis in die zweite Etage des Bühnenraums. Der Ernstfall gelang so wunderbar, dass niemand den Einsatz bedauern konnte. Da war Mehrsprachigkeit auf der Bühne, da hörte man akzentfreies Deutsch, da wurde nicht aufgesagt, sondern gespielt, die Szenen waren witzig ausgemalt, da war mehr als nur Laienspiel. Der andauernde Beifall war der gerechte Lohn.

Viel Beifall und Lob bekamen auch die Schauspieler des russischen Beitrags aus Petersburg: „The Chronicles of Narnia" von C.S. Lewis. Schwierigste Szenerien wurden meisterhaft verbildlicht. Deutsche Gruppen spielten „norway.today" von I. Bauersima und Szenen aus dem Musical „Tankstelle der Verdammten" von G. Ringswandl. Hier waren sicherlich keine Anfänger am Werk. Der Regieeinfall, das Zweipersonendrama „norway. today" auf zig Paare zu verteilen, gab dem Stück eine unerwartete Dramatik. Die reinste Spielfreude herrschte auf der „Tankstelle der Verdammten" und wollte nicht zu Ende kommen. Trotz rapide sinkender Abendtemperaturen harrte das Publikum aus und ließ sich von der Band und dem hervorragenden Gesang einheizen.

Mitmachangebot

Aber das 4. Internationale Jugendtheaterfestival Schwäbisch Hall 2011 wäre seinem Ruf nicht gerecht geworden, wenn nicht ein faszinierendes Mitmachangebot von 13 Theater-Workshops die Teilnehmergruppen von den Jüngsten bis zu den Lehrkräften in den Bann gezogen hätte. So entfaltete sich am Ende ein Strauß wildester Mischung von Ergebnissen. In Miniszenen lernte das Publikum den Unterschied zwischen Kascha und Pizza. Die Capoeira-Gruppe mimte Konstruktion und Destruktion. Harte Beats aus gebastelten Instrumenten wechselten sich ab mit choreografischem Gesang. Ein ganzer Film zum Lustprinzip Unterricht entstand. Tänzer experimentierten mit Körpergewichten. Improtheater variierte Beziehungskrampf in Horror- , Bollywood- und Krimiarrangements. Die Kunst, Raum und Körper und Sprache zu synchronisieren, präsentierte sich im Doppelpack. Die Pädagogen erheiterten mit einer skurrilen Plastik aus Körpern, die sich Liebesmaschine nannte und sich als solche Gehör verschaffte.

„Theater überwindet Grenzen" titelte das Haller Tageblatt. Wenn das Gemeinschaftserlebnis der Workshops gemeint war, dann völlig zu Recht. Dem Prinzip in einer Sprache ein Stück zu erarbeiten, zu proben, zu spielen und dabei manifeste Grenzen außer Wirkung zu setzen, hatte sich auch der Theatercampus Pogradec verpflichtet. Bei den Machern in Hall war er goldrichtig.

11.05.2011
Quelle: Goethe-Institut, Diekmann

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