Archiv 2011

Internationales Fußballturnier


Fußball spielen, soziales Verhalten üben und dabei ihre Deutschkenntnisse verbessern, konnten Schülerinnen und Schüler von PASCH-Schulen bei einem internationalen Fußballturnier.

Schulen in Südafrika, Indien, Kamerun/Gabun, Israel/Palästinensische Gebiete, Brasilien und Bosnien und Herzegowina/Serbien nahmen an dem vom Auswärtigen Amt im Rahmen der Initiative „Sport und Außenpolitik“ geförderten Turnieren teil.

Von Dezember 2010 bis März 2011 war bei den Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren Teamgeist und Punkten durch Tore angesagt. Jeweils 10 Mannschaften traten gegeneinander an. Die Teams, bestehend aus Jungen und Mädchen, konnten durch vorbildliches Verhalten auf und neben dem Fußballplatz weitere Punkte sammeln.

Endrunde in Deutschland

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Der Hauptgewinn war die Teilnahme an dem Internationalen Turnier in Berlin im Sommer 2011. Organisiert wurden die Regionalturniere durch die Netzwerkpartner von streetfootballworld gGmbH mit Unterstützung des Auswärtigen Amts und und streetfootballworld gGmbH.

Auf die Spielerinnen und Spieler der Siegerteams wartete ein großartiger Preis: Zeitnah zu der FIFA-Frauen-Weltmeisterschaft im Sommer 2011 fuhren sie nach Deutschland zu einem gemeinsamen internationalen Fußballturnier.

Internationales PASCH-Finalturnier in Berlin am 25. Juni 2011

Der Ball rollte am Eröffnungswochenende der Frauen-Weltmeisterschaft nicht nur im Berliner Olympiastadion, sondern auch auf dem Tempelhofer Feld, wo das PASCH-Fußball-Finalturnier stattfand. Das PASCH-Finalturnier in Berlin war der Höhepunkt für die Schülerinnen und Schüler aus Bosnien und Herzegowina/Serbien, Brasilien, Indien, Israel/Palästinensische Gebiete, Kamerun und Südafrika, die sich in den regionalen Vorrunden für das Finalturnier qualifiziert haben. „Köpfen und Köpfchen in Sachen Deutsch“ waren in den Vorrundenspielen gefragt. Dann war es soweit: Die sechs Mannschaften reisten zum Teil bereits am 22. Juni in Berlin an. Eine Woche voller sportlicher und spielerischer Ereignisse wartete auf sie. Gemeinsam mit Jugendlichen aus Berlin und Brandenburg kickten die Teams auf dem internationalen Sport- und Kulturfestival „STRASSE!KICKT Open 2011“ am 25. Juni. Sogar das Eröffnungsspiel der Frauen im Olympiastadion konnten sie miterleben. Die Eindrücke der vielen facettenreichen Erlebnisse durften die Schüler und Schülerinnen wieder mit nach Hause nehmen.

„Es war schön, in einem internationalen Team zu spielen und viele Leute kennenzulernen“



Die Gewinner der PASCH-Turniere in Südafrika, Indien, Israel und den Palästinenschen Gebieten, Kamerun, Brasilien, Montenegro, Serbien und Bosnien und Herzegowina haben eine Woche in Berlin verbracht. Wir haben mit den Jugendlichen über ihre Eindrücke, das Spielen in gemischten Teams, Frauenfußball in ihren Ländern und ihre Idole gesprochen.

Philip aus Brasilien, 16 Jahre

Philip | © PASCH-net.deDie Idee, in gemischten Teams zu spielen, fand ich erst gar nicht gut. Doch dadurch haben wir uns viel besser kennengelernt. Aber ich hätte auch mal gern mit der eigenen Mannschaft gespielt, weil wir so lange zusammen trainiert haben. Bei uns haben auch drei Mädchen mitgespielt. Jungs sind zwar ein bisschen stärker, aber manche Mädchen spielen besser als Jungs. In Brasilien ist es für Frauen nicht einfach Fußball zu spielen. Es gibt nur wenige Mannschaften und es ist sehr schwer in eine aufgenommen zu werden. Die Prüfungen sind hart und nur die Besten schaffen es. An meiner Schule spielen die Mädchen bei uns mit. Eine eigene Mannschaft haben sie nicht. Ich gehe auf eine Deutsche Schule und spreche auch zu Hause ein bisschen Deutsch. Mit den Berliner Jugendlichen, die hier in meiner Mannschaft waren, habe ich mich sehr gut verstanden. Ich habe in der letzten Woche viele neue Freunde gefunden, aus Indien, Südafrika, Israel und den Palästinensischen Gebieten. Wir haben Fußball-T-Shirts ausgetauscht und unsere Facebook-Adressen. Ich habe vorgeschlagen, dass wir eine Facebook-Gruppe mit allen Spielern gründen. Mein Fußballvorbild ist Carlos Tévez, der bei Manchester City spielt. Früher war er bei meinem Lieblingsverein in Brasilien. Und Marta finde ich natürlich toll. Ich denke, dass Deutschland oder Brasilien Weltmeister wird.

Wie fandest du es, in einem gemischten Team zu spielen?


Was war das schönste Erlebnis während deines Aufenthalts in Berlin?


Stephanie aus den Palästinensischen Gebieten, 13 Jahre

Stephanie | © PASCH-net.deWenn Jungen und Mädchen zusammen Fußball spielen, geben die Jungs nie den Ball ab. Sie denken, dass Mädchen nicht gut spielen können. Ich finde, dass wir genauso gut sind. Hier in Berlin habe ich im Tor gestanden und war auch in der Verteidigung. Es war schön, in einem internationalen Team zu spielen und viele Leute kennenzulernen. Zu Hause spiele ich vor allem mit meinen Verwandten Fußball. Beim PASCH-Turnier ist meine Mannschaft gegen sieben andere angetreten. In den Palästinensischen Gebieten ist Frauenfußball populär. Ich kenne sogar die Trainerin der Frauenmannschaft. Sie geht in meine Kirche. In Berlin haben mich die alten Kirchen und die vielen schönen, alten Gebäude am meisten beeindruckt.

Wie fandest du es, in einem gemischten Team zu spielen?


Was war das schönste Erlebnis während deines Aufenthalts in Berlin?


Michael aus Kamerun, 17 Jahre

Michael | © PASCH-net.deWir haben in Berlin das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft im Stadion gesehen: Deutschland gegen Kanada. Das war toll. Ich denke, dass die Deutschen Weltmeister werden. Sie spielen echten Fußball, sind schnell und schießen auch aus großer Entfernung Tore. In Kamerun spielen auch Mädchen in meinem Team. Das ist nicht schwierig. Hier in Berlin war das anders, weil ich die Mädchen nicht kannte. Zum Glück haben wir erst einen Tag zusammen trainiert. Danach ging es gut. Ich finde schon, dass Jungs und Mädchen anders Fußball spielen. Mädchen sind langsamer. In Kamerun entdecken Frauen gerade erst Fußball. Wir haben auch eine Nationalmannschaft, aber die ist bei der WM nicht mit dabei. Mein Fußballidol ist natürlich Samuel Eto’o. Er ist aus Kamerun, spielt aber jetzt bei Inter Mailand. In Berlin fand ich das Sightseeing am Besten. Wir haben viel gesehen: das Kanzleramt, den ehemaligen Flughafen Tempelhof, wo auch das Turnier war, und einen Beach-Volleyball-Platz.

Nosipho aus Südafrika, 17 Jahre

Nosipho | © PASCH-net.deIn Südafrika haben wir gegen sieben andere Mannschaften gespielt. Am Ende zu gewinnen, war ein tolles Gefühl. Wir wussten vorher gar nicht, dass die Gewinner nach Deutschland fahren würden. Das haben wir erst erfahren, als wir die Goldmedaillen und den Pokal bekommen haben. Ich konnte es gar nicht glauben. Wir haben in Berlin nicht nur Fußball gespielt, sondern auch viel über die deutsche Geschichte gelernt. Das fand ich am besten. Wir waren im Bundestag, im Museum „The Story of Berlin“ und haben viel über die Berliner Mauer erfahren. Das Eröffnungsspiel der WM war auch ein Highlight für mich. Ich war noch nie auf einem Fußballspiel von Frauen. Die Stimmung im Stadion war super. Auch, wenn jemand auf das Tor geschossen hat, und der Ball daneben ging, haben die Zuschauer geklatscht. Am Ende kamen die Spielerinnen sogar zu den Zuschauern und haben Autogramme gegeben. Ich habe mich mit Alexandra Popp fotografieren lassen. Frauenfußball ist in Südafrika anerkannt. Im PASCH-Turnier haben wir auch gemischt gespielt. Die Jungs sagen bei uns nicht, dass Mädchen keinen Fußball spielen können, sie unterstützen das sogar. Aber Jungs sind einfach stärker. Und sie spielen sehr schnell. Das ist eine Herausforderung. Da muss man viel rennen. In Berlin in einem multikulturellen Team zu spielen, war toll. Es war ganz egal, wo du herkommst, welche Hautfarbe du hast und welches Geschlecht. Ich habe viele neue Dinge gelernt. Nicht nur Techniken, sondern auch, wie man jemanden auf Deutsch begrüßt: Guten Tag.

Supunya aus Indien, 15 Jahre

Supunya | © PASCH-net.deFür mich war es das allererste Mal, dass ich mit Mädchen zusammen Fußball gespielt habe. In Indien gibt es so etwas nicht. Das ist eine ganze neue Erfahrung für mich. Zuerst hatte ich Angst davor. Am Anfang waren wir auch nicht gut aufeinander abgestimmt. Als wir uns eingespielt hatten, war es besser. Aber es ging ja nicht darum, zu gewinnen. Wir haben alle miteinander gespielt, so als ob wir es jeden Tag tun würden. Wir haben uns Spitznamen gegeben, die sich besser rufen lassen. Pavel war nur Pav und ich nur Sup. Ich finde, dass Mädchen genauso gut wie Jungen im Fußball sind. Vor allem die Mädchen aus dem Team Serbien/Montenegro/Bosnien und Herzegowina waren unglaublich gut. Frauenfußball ist in Indien bedeutungslos. Und die indische Männermannschaft hat es ja bisher nur ein Mal in eine WM geschafft. Mädchen in Indien interessieren sich generell nicht für Sport. Das Allerbeste in Berlin waren diese ganzen Leute, die ich kennengelernt habe, die verschiedenen Kulturen und Religionen. Zum Glück sind alle bei Facebook. Ich werde mich an jeden Moment hier erinnern.

Dragana aus Bosnien und Herzegowina, 16 Jahre

Dragana | © PASCH-net.deIch spiele seit drei Jahren in einem Verein. Ich liebe Fußball. Als ich klein war, habe ich mit meinen Freunden gespielt und mochte es so sehr, dass ich dabei geblieben bin. Bei uns denken Männer, dass Fußball nichts für Frauen ist. Aber ich bin da ganz anderer Meinung. In Bosnien und Herzegowina gibt es auch eine Frauen-Nationalmannschaft. Die hat sich aber leider nicht für die WM qualifiziert. Die Idee, in Berlin in gemischten Mannschaften zu spielen, finde ich toll. Berlin ist eine schöne Stadt. Am besten fand ich den Reichstag. Das ist ein sehr schönes Gebäude. Ich hoffe, dass ich irgendwann noch einmal nach Berlin komme.

Die Interviews führte Katja Hanke. Sie arbeitet als freie Journalistin in Berlin.
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