Archiv 2011

Semestertickets, pasteurisierte Milch und Studienpraktika

Bereits zum dritten Mal fand im Rahmen der PASCH-Initiative am Goethe-Gymnasium in der Stadt Khujand eine Studien- und Berufsberatungsveranstaltung statt. Khujand am Syrdarja liegt im nordtadschikischen Teil des Ferghanatals.

Die Stadt war einer der nordöstlichsten Punkte, die Alexander der Große als Alexandria Eshata (=das am weitesten entfernte Alexandria) circa 300 Jahre v.u.Z. erreicht und gegründet hat. Zwischenzeitlich war sie ein wichtiger Knotenpunkt der Seidenstraße, Teil des Khanats Kokand und hieß im 20. Jahrhundert für 60 Jahre Leninabad. Das nichtstaatliche Goethe-Gymnasium in dieser historischen Stadt feierte im Juni 2010 sein 10-jähriges Bestehen.

Die Schüler der 11. Klasse waren vom Studierfähigkeitstest TestAS, der sie die letzten fünf Stunden in Anspruch genommen hatte, noch etwas außer Atem und kamen gerade erst zu sich. Dafür eignete sich der Film „Globale Bildungspartnerschaften“ – Die Initiative ‚Schulen: Partner der Zukunft’“ vom Auswärtigen Amt bestens. Die Vorstellung der PASCH-Schulen aus Beijing, Moskau, Windhoek, Buenos Aires, Los Angeles und Berlin traf die Gefühlslage der Schüler sehr gut und zeigte das unterschiedliche Spektrum der Deutschlerner auf beeindruckende Weise.

Die ZfA-Fachschaftsberaterin Frau Berger stellte das Studienkolleg in Marburg vor. Kai Franke vom DAAD-Informationszentrum Duschanbe erläuterte die Zugangsvoraussetzungen für ein Studium in Deutschland und die Stipendienangebote des DAAD. Herr Herzig vom Sprachlernzentrum des Goethe-Instituts stellte die Sprachintensivkurse vor. Die Schüler sollen ihre Deutschkenntnisse nach Beendigung der Schule wie einen Schatz hüten und pflegen.

Berichte aus Deutschland

Aber was war das gegen die beeindruckende Powerpointpräsentation von Aziz N., der an der Ruhr-Universität Bochum studiert hat. Hatte Aziz mit der Hochschule einen Werbevertrag abgeschlossen? Er lobte das akademische Klima an der Hochschule, das kulturelle Angebot im Ruhrgebiet, die Fachbereichspartys und vor allem das Semesterticket. Freie Fahrt in ganz Nordrhein-Westfalen.

Umed Sch. berichtete von seinem landwirtschaftlichen Studium an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und seiner Arbeit als Vertreter einer Landtechnikfirma. Wie viel Tausend Rinder werden in Deutschland von nur 30 Arbeitern betreut? Warum soll man frische Kuhmilch nicht aufkochen, sondern nur pasteurisieren? Es gibt viel zu tun für Spezialisten mit solchem in Deutschland erworbenen landwirtschaftlichen Fachwissen im agrarisch geprägten Tadschikistan, deshalb arbeitete Umed auch als Landwirtschaftsberater für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

Alisher J., der an der FU Berlin studierte, zeigte sogar einen Film, der über ihn und sein Studienpraktikum an einer Sprachschule in Berlin gedreht wurde.

Die Schüler waren beeindruckt. Wir sind guter Hoffnung, dass sie nun gemeinsam mit ihren Eltern darüber nachdenken werden, ob es außer dem Studium der aktuellen tadschikischen Modefächer Medizin, Management und Jura in der Hauptstadt des Landes mit zweifelhaften Berufsperspektiven auch noch andere Studienmöglichkeiten gibt und dass – selbst wenn es mit dem DAAD-PASCH-Vollstipendium nicht klappt, es noch hunderte andere interessante Möglichkeiten für ein Studium oder ein Praktikum in Deutschland, im Heimatland oder in von Deutschland unterstützten Hochschulen in den nördlichen Nachbarländern Kirgisistan und Kasachstan gibt.

Die Mutter eines Absolventen des Gymnasiums kam extra zur Veranstaltung um über das Studium ihres Sohnes im Nachbarland Kirgisistan in einem deutschen Exportstudiengang im Bereich IT zu berichten. Ein Student der Agrarwissenschaften berichtete begeistert und mit leuchtenden Augen vom Praktikum auf einer Demeterlandwirtschaft in Bayern.

Ein orientalischer Imbiss mit Schülern, Lehrern und Deutschland-Alumni beschloss diese gelungene Veranstaltung.

07.03.2011
Quelle: DAAD-Informationszentrum Duschanbe

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