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Jugend debattiert in Südamerika

Die vier Finalisten: João Pedro Apolaro, Brasilien, Juana Perdomenico, Argentinien, Joana Derksen, Paraguay, und Josefa Hidalgo Gudenschwager, Chile
Zum zweiten Mal sind Jugendliche aus Argentinien, Brasilien, Chile, Paraguay und Peru zu einem gemeinsamen Debattierturnier in deutscher Sprache zusammengekommen. Jugend debattiert heißt der Wettbewerb, den die Zentralstelle für das Auslandschulwesen (ZfA) und die Hertie-Stiftung seit 2016 auch in Südamerika veranstalten.


Beteiligen können sich junge Deutschlernerinnen und Deutschlerner ab der zehnten Klasse. Rund 35 Schulen haben 2017 teilgenommen. Abschluss und Höhepunkt war das Internationale Finale, das vom 24. bis 28. Oktober in São Paulo ausgetragen wurde.

Das Thema der Schlussdebatte lautete: „Soll die Festlegung von Flächen als Naturschutzgebiete nicht wieder rückgängig gemacht werden dürfen?“ Hier überzeugte die 17-jährige Josefa Hidalgo Gudenschwager von der Sprachdiplomschule Deutsche Schule Temuco (Chile), die eindrucksvoll gegen einen Bestandsschutz argumentierte und damit den Gesamtsieg errang. Den zweiten Platz belegte Joana Derksen aus Menno (Paraguay), gefolgt von Juana Perdomenico aus Buenos Aires und João Pedro Apuleiro aus São Paulo.

Zuvor hatten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in weiteren Debatten mit einer Gehaltsgrenze für Profifußballspieler auseinandergesetzt und erörtert, ob der Flächenverbrauch durch Straßen und Besiedlung in städtischen Regionen streng begrenzt oder im Sportunterricht auf Notengebung verzichtet werden soll. Eine fachkundige Jury hat die Leistungen der Debattanten nach Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft bewertet und abschließend Siegerinnen und Sieger bestimmt.

Gruppenfoto der Wettbewerbsteilnehmer mit Generalkonsul Axel Zeidler und Ansgar Kemmann, Hertie-Stiftung

Organisatoren hoffen auf weitere Teilnehmerländer

Austragungsort der Qualifikationsrunden war das Colégio Benjamin Constant in São Paulo, Schule des Südamerika-Siegers von 2016. In der Begrüßungsrede erinnerten die beiden Organisatoren, Wolfgang Theis, Fachberater der ZfA in São Paulo, und Raquel Fernandes, Fachleiterin der Gastgeberschule Benjamin Constant, an die rasante Entwicklung des Wettbewerbs in den letzten Jahren: „2012 gab es das erste nationale Landesfinale Jugend debattiert in São Paulo, 2015 folgten Chile, Argentinien und Paraguay und schließlich konnte im vergangenen Jahr das erste Finale Jugend debattiert in Südamerika in Santiago de Chile stattfinden.“ In diesem Jahr ist Peru hinzugekommen, und im kommenden Jahr, hoffen die Organisatoren des Wettbewerbs, werden weitere südamerikanische Länder am Wettbewerb teilnehmen.

Der Wettbewerb in São Paulo wurde dem kürzlich verstorbenen Schulpräsidenten des Colégio Benjamin Constant, Stefan Graf von Galen, einem unermüdlichen Freund und Förderer der deutschen Sprache in Brasilien, gewidmet.

Das große Finale fand unter Beteiligung vieler Gäste in der Residenz des deutschen Generalkonsuls statt. Dazu schrieb Teilnehmerin Florencia Hemmelmann aus Osorno, Chile: „Es erschien mir wie ein Traum: Ich, umgeben von wichtigen Persönlichkeiten, in der Residenz des deutschen Generalkonsuls in Brasilien! Das war bis heute definitiv der Tag, an dem ich mich am bedeutendsten gefühlt habe. Man tauschte Gedanken aus, sprach Deutsch, denn einige konnten nicht Spanisch, andere wie ich kein Portugiesisch.“

„Jeder hat eine andere Perspektive“

Nach ihrem Erfolg meinte Siegerin Josefa: „Was mir besonders gut gefallen hat, war, wie aktuell die Themen waren und jeder etwas anderes dazu sagen konnte. Jeder hat eine eigene Perspektive. Wir haben viel über die anderen Länder gelernt. Alle waren super nett und freundlich. Ich habe viele neue Freunde gewonnen!“ Ihre Erfahrung im Wettbewerb fasste sie mit einem chinesischen Sprichwort zusammen: „Es sind nicht unsere Füße, die uns bewegen, es ist unser Denken.“

Auch Ansgar Kemmann, Leiter von Jugend debattiert, aus Deutschland angereist, äußerte sich begeistert: „Das war eine ganz bemerkenswerte Veranstaltung. Unser herzlicher Dank gilt den Lehrerinnen und Lehrern, die im Unterricht die Grundlagen gelegt haben, sowie den Fachberatern der ZfA als Landeskoordinatoren, für ihren großen Einsatz in diesem zweiten gemeinsamen Wettbewerbsjahr.“

Wolfgang Theis, ZfA-Fachberater in São Paulo, würdigte die hohe Leistung der Finalisten und Teilnehmer an diesem Fremdsprachen-Wettbewerb: „Die Teilnehmer an diesem Wettbewerb sind junge Leute aus fünf verschiedenen südamerikanischen Ländern, die Deutsch als Fremdsprache gelernt und sich hier einem höchst anspruchsvollen Wettbewerb gestellt haben. Das verdient unsere allerhöchste Anerkennung und Bewunderung.“ Der Philosoph Ludwig Wittgenstein bemerkte 1918 in seinem Hauptwerk: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Mit den in der Fremdsprache Deutsch geführten Debatten in diesem Wettbewerb haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Grenzen ihrer Welt überschritten!

Hintergrund: Jugend debattiert in Südamerika wendet sich an Schülerinnen und Schüler, die Deutsch als Fremdsprache an Sprachdiplomschulen und Deutschen Auslandsschulen lernen. Vorbild ist das gleichnamige Programm zur sprachlich-politischen Bildung in Deutschland, das unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht. Jugend debattiert will Schülerinnen und Schüler ermutigen, in strittigen Fragen um das beste Argument zu ringen. Die Themen des Wettbewerbs führen die Schülerinnen und Schüler an Politik heran und motivieren sie zu demokratischem Handeln. Zugleich bietet das Debattieren kommunikativ orientierte Sprachförderung und Persönlichkeitsbildung.

Die Siegerin, Josefa Hidalgo Gudenschwager, Chile, mit Ansgar Kemmann, Hertie-Stiftung
Das Internationale Finale Jugend debattiert in Südamerika ist das Turnier der besten vier Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen teilnehmenden Nationen. Die nationalen Wettbewerbe werden zwischen Juni und September durchgeführt. Das 

Die Sieger im II. Internationalen Finale Jugend debattiert 2017 in São Paulo

1. Platz: Josefa Hidalgo Gudenschwager, 17 Jahre, Sprachdiplomschule Deutsche Schule Temuco, Temuco, Chile
2. Platz: Joana Derksen, 17 Jahre, Sprachdiplomschule Colégio Secundario Loma Plata, Menno, Paraguay
3. Platz: Juana Perdomenico, 17 Jahre, Pestalozzi-Schule, Buenos Aires, Argentinien
4. Platz: João Pedro Moreira de Marchi Apolaro, 17 Jahre, Sprachdiplomschule Schweizer Schule São Paulo, São Paulo, Brasilien

Außerdem nahmen teil:
  • Augustina Provenzani, Goethe-Schule, Buenos Aires, Argentinien
  • Vítoria Aparecida Schuh, Sprachdiplomschule Colégio Cruzeiro Jacarepaguá, Rio de Janeiro, Brasilien
  • Florencia Hemmelmann Hott, Sprachdiplomschule Deutsche Schule Osorno, Osorno, Chile
  • Dijke Berhage von Schmeling, Deutsche Schule Asunción Colégio Goethe, Asunción, Paraguay
  • Klaus Kruger Serrano, Sprachdiplomschule Augusto Weberbauer-Schule, Lima, Peru
  • Mariajose Peña Zavala, Sprachdiplomschule Reina del Mundo-Schule, Lima, Peru
21.11.2017
Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA)
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