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PASCH-Alumni im Porträt: Serafima Orlova

Serafima Orlova | © privat Mein Name ist Serafima Orlova. Ich habe an einer PASCH-Schule in Russland das DSD II erworben und absolviere jetzt mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ein Filmstudium in Hamburg.

Ich komme aus Sankt Petersburg und bin dort 1996 geboren. Meine Faszination für die deutsche Sprache hat mit einem alten Märchenbuch der Gebrüder Grimm begonnen, das ich mit fünf Jahren in einem Antiquariat gesehen habe. Es war in Altdeutsch geschrieben. Ich konnte zwar noch nichts lesen, aber diese Zaubersprache hat mich so fasziniert, dass ich sie unbedingt beherrschen wollte. Schon in der ersten Klasse habe ich deshalb mit dem Deutschlernen begonnen. Das war an der PASCH-Schule Schule Nr. 222 „Petrischule“ Sankt Petersburg in Russland.

„Jugend debattiert international“

Deutsch war von Anfang an mein Lieblingsfach - und ist es bis zu meinem Schulabschluss geblieben. Eine der vielen schönen Erfahrungen, die ich dank der PASCH-Initiative machen konnte, war die Teilnahme an „Jugend debattiert international“. Das ist ein Wettbewerb, bei dem PASCH-Schülerinnen und -Schüler aus Mittel- und Osteuropa kritisch und in deutscher Sprache über politische und gesellschaftliche Themen diskutieren. Ich habe es bis ins Landesfinale nach Moskau geschafft und dort den dritten Platz erreicht. Die Teilnahme an sich und die Erfahrungen, die ich dabei sammeln konnte, waren mir aber viel wichtiger als das Gewinnen. So habe ich zum Beispiel gelernt, richtig zu einem Thema zu recherchieren, meine Meinung besser zu strukturieren, freier Deutsch zu sprechen und vor allem überzeugen zu können – was für den Beruf der Filmregisseurin, den ich gerade erlerne, von großer Bedeutung ist.

Da meine Schule einige Partnerschulen in Deutschland hat, waren auch oft Austauschschülerinnen und -schüler zu Gast bei uns. Wir haben ihnen Sankt Petersburg gezeigt und viele Museen, Zarenpaläste, Schlösser und Parks in der Stadt besucht – Orte, die wir ohne den Austausch nicht besucht oder wahrgenommen hätten. Das Interesse der deutschen Jugendlichen an der russischen Kultur hat uns außerdem dazu gebracht, die eigenen Sitten und Bräuche, die wir bis dahin als alltäglich empfunden hatten, zu reflektieren.

Annäherung an die deutsche Theaterkunst

Da ich mich schon seit meiner Kindheit für Kunst und Kultur interessiere, war auch die Zusammenarbeit meiner Schule mit dem Deutsch-Russischen-Begegnungszentrum etwas Besonderes. Denn dadurch bin ich nicht nur auf die vielen kulturellen Angebote in meiner Umgebung aufmerksam geworden, sondern auch auf eine deutschsprachige Kindertheatergruppe, in der ich ab der fünften Klasse mitgewirkt habe. Die Theaterstücke haben wir in der Schule und auch bei verschiedenen deutsch-russischen Veranstaltungen aufgeführt. Das schönste Erlebnis war für mich die Reise in die norddeutsche Stadt Bremerhaven, die wir als Hauptpreis beim deutschsprachigen Theater-Wettbewerb des Goethe-Instituts gewonnen haben. Dort haben wir andere Kindertheatergruppen kennengelernt und mit ihnen gemeinsam Theaterstücke eingeübt. Das war eine tolle Annäherung an die deutsche Theaterkunst.   

Das DSD II als Wegbereiter zum Traumberuf

Man kann sagen, dass mir die deutsche Sprache die Tür zu meinem Traumberuf geöffnet hat, denn weil ich Deutsch gelernt habe, konnte ich das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz - Zweite Stufe (DSD II) ablegen. Damit war es mir möglich, ein Vollstipendium des DAAD zu bekommen und in Deutschland mein Wunschfach zu studieren. Um die Anforderungen für ein Studium in Deutschland zu erfüllen, habe ich vorher ein Jahr lang das Studienkolleg in München besucht. Dort habe ich DAAD-Stipendiaten und -Stipendiatinnen und auch PASCH-Schüler und -Schülerinnen aus aller Welt kennengelernt. Mit vielen von ihnen stehe ich auch heute noch in Kontakt.

Momentan befinde ich mich im vierten Semester meines Filmstudiums an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Das Lernen dort ist sehr frei: Ich kann mir meinen Stundenplan selbst zusammenstellen und mir die passenden Seminare aus den Bereichen Freie Kunst und Film aussuchen. Außerdem lerne ich nicht nur viel Theorie, sondern habe auch genügend Zeit und Gelegenheiten in Werkstätten und Ateliers selbst zu filmen und mich künstlerisch zu entfalten. Im Studium beschäftige ich mich auch viel mit der deutschen Sprache – und das nicht nur in den Seminaren, die in der Landessprache gehalten werden, sondern auch, wenn ich zum Beispiel Drehbücher schreibe.

Als Filmregisseurin den kulturellen Austausch fördern

Nach meinem Abschluss möchte ich als Regisseurin arbeiten und mich in der Filmbranche etablieren. Kameraarbeit und Soundgestaltung im Film interessieren mich ebenfalls. Auf jeden Fall würde ich gerne an internationalen Film- und Kunstprojekten arbeiten und meinen Fokus auf den kulturellen Austausch legen. Mit meiner Arbeit würde ich beispielsweise gerne mehr russische Jugendliche für den Deutschunterricht begeistern und den Austausch von Schulen in Russland und Deutschland fördern.
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